»Nicht wahr, du läßt mich jetzt zu Manne gehen?«
»Allstunds«, entgegnete Edlef.
Da wandte sie sich und stieg die Stufen hinunter und kehrte sich nicht ein einziges Mal um. Und ihr Auge sah nichts von der Zerstörung auf dem Mutterhof und sonst rings umher. Weil ihr eigen Herz verstört und voll des Jammers war.
All die vielen Wasser- und Wellenberge waren zurückgerauscht, warm schien jetzt eine milde Herbstsonne auf die verschlammten Fennen. In der Ferne glitzerte die ruhig dünende See.
Maren schritt mit einem inneren Grauen an Vadder Luersens Haus vorüber. Da hatte das Wasser die morschen Wände eingedrückt, ganz schief stand die Kate, und durch das halb abgedeckte Dach schien die Sonne auf eine Stätte der Verwüstung. Ein alter Knecht aus dem Nachbarhaus stand allein vor dem verfallenen Gewese. Er grüßte Maren und deutete mit der kurzen Stummelpfeife auf das Wrack.
»Eben hett man se wegbröcht.«
»Wen?« stieß Maren hervor.
»De Liken. De Fru un fief Kinner. De Paster hett se all in de Kirch bringen laten. Dor liggen se, bet se to Erd bröcht ward. De Nahber Luersen is gorni da west, as se verdrunken sün. De hett sin Akke söcht. Un as de Flut kam, hett he bien Paster seten. De Akke wier so allstunds sin Zockerpopp. Dat süll äwer nüms weten. Unten an de Postfähre hett he ok stunnen … Aber se is nich kamen. Un dann hett he weiter söcht, Warf um Warf … Un as he endlich heimgung … Ja, – da wier dat so … Um Middernacht wier dat so … Un in Morgengrauen hett man se funnen, – sien Akke nich, äwer sien Fru und Kinner.«
Maren stürmte weiter, von Grausen geschüttelt.
Dann klinkte sie endlich die Tür im Schulhaus auf. Und klopfte an und lag an Manne Wögens Brust. Und lachte und weinte in höchster Erregung: »Gottlob, ich bin bei dir.«