Er streichelte sie beruhigend mit der gesunden Rechten. Die linke Hand und der Arm lagen zwischen zwei Holzstücken geschient, sie sah es mit einem Blick. Und furchtbar blaß sah der Bruder aus und seine Augen lagen gramvoll in den Höhlen. Ja, es schien Maren, als zöge sich durch das leicht gewellte dunkle Blondhaar ein weißer Streifen …
»Manne!« rief sie entsetzt.
Da tönte aus der Ecke, darinnen der alte Ohrenstuhl stand, ein jammervolles, heiseres Singen. Marens Herz wollte stillstehen:
»Slaap, slaap, mien Zockerpopp,
Morgen fruh weck ik di op …«
Manne Wögens wollte sie zurückhalten, aber Maren war schon bei dem alten Sessel, drin alle Wögens ausgeruht hatten. War das Vadder Luersen, der darin hockte? Der in seinen Armen ein altes, schmutziges Kinderkissen schaukelte und mit leeren Augen und blödem Gesicht das Lied lallte?
»Herrgott im Himmel, du!« stöhnte Maren und griff nach einem Halt. Der Bruder umfaßte sie. Auch seine Augen brannten.
Vadder Luersen lächelte blöde. »Dat’s mien Akke«, sagte er geheimnisvoll. »Ik heff se endlich funnen, mien söte Deern.« Und er wiegte das Kissen und sang unermüdlich:
Slaap, slaap, mien Zockerpopp,
Morgen fruh weck ik di op …