»Ja, ja, ins Bett«, greinte Vadder Luersen. »Slaap, slaap, mien Zockerpopp …«

Da führte Manne Wögens seine Marenschwester hinaus.

Es war ihr unmöglich, noch einmal an Vadder Luersens Haus vorbeizugehen. Ihre Nerven waren überreizt. Ihr schien es, als griffen Arme und Hände von dort herüber nach ihr. So grauenvoll dünkte sie das tote Haus. Und doch schritt Maren gleich rechter Hand den Weg hinunter zur Kirchwarf hin. Trotzdem sie wußte, daß dort die Leichen aufgebahrt lagen. Aber aus dem Pastorat schien ihr eine tröstliche Fernwirkung zu kommen. Sie sehnte sich nach der gütigen Frau Luischen, nach dem ernsten, verstehenden Lächeln des Seelsorgers. Und sie sah in Gedanken an heiliger Stätte die ausgebreiteten Arme dessen, der gesagt hatte: »Kommt alle her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid!«

Pastor Licht und seine Frau traten gerade aus der Kirchtür. Sie gingen wie zwei, die viel Leid tragen. Und man sah ihren bewegten Zügen an, wie mächtig das, was da drinnen lag, ihr Inneres aufgerührt hatte.

Maren ging zu ihnen und begrüßte sie still. –

»Es ist ein Schnitter, der heißt Tod«, sagte Pastor Licht ernst.

Und Frau Luischen drückte Marens Hände und zog zugleich ihr warmes Umschlagetuch um die junge, blasse Frau. Recht wie eine Henne, die ihrem Küchlein warmen Unterschlupf gewährt. »Nicht anschauen, das da drinnen«, riet sie und zeigte nach der Kirche. »Diesmal hat der Tod kein friedvolles Aussehen …«

Sie führte Maren ins Pfarrhaus.

Da war zwar auch noch nichts vom Frieden zu spüren. In der warmen Diele saßen sechs alte Leutlein, drei Frauen und drei Männer. Sie weinten, klagten und stritten sich ein weniges. Hörten auch nicht damit auf, während die Pastorleute und ihr Gast die Diele durchschritten.

»Alle sechs über die Siebzig«, kopfschüttelte Pastor Licht. »Aber noch ganz erdenheimisch. Dabei nicht einmal dankbar, daß unser Herrgott sie noch nicht abrief. Sondern mit Herz und Sinn dem nachklagend, was Motten und Rost verfallen ist. Und was gestern das Wasser verschlungen hat. –«