Edlef war in peinvoller Verlegenheit. Aber so recht unglücklich sah er nicht aus. Tante Frauke mußte über ihn den Kopf schütteln.
Ernst entgegnete sie: »So geht’s jedem, der die Liebe nicht hochhält, sondern den Rausch. Es geschieht dir Recht. Aber nun wirst du harten Stand im Mutterhof haben. Denn der wollte rasche Heirat und viele Kinder von dir.« Sie lachte herb. »Dafür hatte man dir Akke Luersen ausgesucht. Was nun?«
»Mir geht’s noch über Verdienst gut, Tante Frauke. Jetzt werb ich um mein Glück. Ist eine feine, süße Deern. Son ganzen Lütten. Reicht mir bis zum obersten Westenknopf. So wie du, Tanten Frauke. Ihr wiegt auch beide so ungefähr dasselbe. Dreißig Pfund und ein paar. Wie die Schneider.« Er hob den Stuhl mitsamt der zierlichen Gestalt hoch, und diese schalt mit weicher Stimme: »du Slüngel, du Rumdriwer! Ik gew di eins achtern vör.«
Edlef lachte und stellte den Stuhl ganz sacht wieder zurecht.
»Was ist das nun wieder fürn Schnack?« fragte sie bekümmert. »Hast du die Deerns am Faden, wie der Drachenschwanz die Papierschnitzel?«
Er sah sie verträumt an. »Wie die salzen See sind ihre Augen. Nordsee im Sturm. Graublau. Un de lütt Näs’ so fien, un de Mund wien Korall, un de Tähn blinkern dor achtern. Un dat söte Hart so gut.«
»Und ihr Körper Edlef? Ist sie gesund? Hat sie zehn oder zwölf Geschwister? Denk dran, Edlef! Denk nicht an dich! Die Hallig und der Mutterhof gehen deinem Glücke vor. Und wenn deine Frau nicht jedwedes Jahr was Lüttes in de Weeg leggen kunn … und sie hat denn Herz und Gemüt … Um Jesu willen, mein Edlef, bring sie nicht auf den Mutterhof …«
Die Frau legte den Kopf auf ihren Arm und weinte bitterlich. Edlef streichelte ihr ergrauendes Haar. »Die Maren Wögens ist gesund,« lachte er sorglos. »Mir ist nicht bange um die Erben des Mutterhofs.«
»Still, still, Tanten Frauke«, beruhigte er dann. »Das sollen deine letzten Tränen gewesen sein. Hörst du? Ich sag’s. Und ich bin der Herr jetzt vom Mutterhof.«
Sie trocknete die Augen.