Aber nur ganz sachlich schreibt er mir. Von Maren enthalten seine Briefe nichts. Er selbst schickt nur Postkarten nach dem Mutterhof. In seinem Verhältnis zu Maren ist etwas verschüttet, was nicht wieder gehoben werden kann. So meint Maren. Gott verhüte, daß sie recht hat.

Aber vielfach erwähnt Edlef seinen Bruder Onnen. Er liebt ihn, ist ungeheuer stolz auf ihn und legt mir seine Förderung ans Herz. Mein Brief, der damals über Onnens Lebensgefahr berichtete und über Marens nimmermüde, Tag und Nacht währende Pflege hat ihn tief erschüttert. Er fand dankbare, begeisterte Worte über Marens selbstloses Verhalten, aber nur gegen mich. Maren selbst erhielt kein Wort darüber. – –

Onnen durfte das Weihnachtsfest bei mir im Schulhaus verleben. Da sind wir uns noch näher gekommen, wenn das überhaupt möglich war. Merkwürdigerweise hat man Onnen nicht gesagt, daß seine Schwester Nomine zu Hause gewesen ist. Onnen war zwar noch recht angegriffen, aber der Besuch von Nomine hätte ja nichts Welterschütterndes für ihn bedeutet. Es ist mir ein völliges Rätsel, warum sie ihn nicht hat sehen wollen. –

So habe ich einen schönen, kleinen Tannenbaum für Karen und Onnen geschmückt, und Peter Luersen hat in die hellen Lichter hineingeschaut, doch ohne Erleuchtung für seinen armen Kopf. Gar nicht gekümmert hat er sich um meine jungen Gäste. Das Wiegenkissen ist ihm allstunds Gesellschaft genug.

Am Silvestertag kam dann Maren zu mir, um mir aus ihrem goldenen, treuen Schwesterherzen heraus ein glückliches neues Jahr zu wünschen. Sie faßte das »Glück« gleich in ein paar Begriffe zusammen, in »Gesundheit«, »Gelingen meines Werkes« und »daraus entsprießendem Mammon«, der mir eine große, herrliche Reise ermöglichen soll. – Ich war mit diesen Begriffen zufrieden. –

»Der Mutterhof hatte ein Krankes«, sprach Maren weiter zu mir. »Sonst wäre ich längst bei meinem einsamen Mannebruder gewesen.«

»Schon wieder ein Krankes?« fragte ich. »Du kommst nicht heraus aus dem Pflegen.«

»Hier war nichts Eigentliches zum Pflegen. Herz und Gemüt waren aus den Fugen, und der arme Mensch, der dazu gehörte, mußte sich selber helfen.«

Da wußte ich, wer die Kranke war. –

Nach einer längeren Pause strich mir Maren über den Scheitel und die Schläfen. Sie hatte sich auf die Armlehne meines alten Sorgenstuhles gesetzt und meinte sinnend: »Auch durch Nomines Schläfenhaare zieht sich ein weißer Streifen.«