Nach dem Mutterhof war Manne Wögens noch nicht wieder gekommen. Er hatte durch Onnen hinsagen lassen, daß Ohm Rickert von ihm aufgenommen sei. Nun wollte er Maren erst einmal in voller Ruhe das häßliche Gerücht verwinden lassen. Er wußte, daß sie ihn suchen würde, wenn sie des Bruders bedurfte. –

Der strahlende Sonnenaufgang verhieß einen frohen Tag.

In Manne Wögens’ Augen leuchtete ein helles Willkommen für das, was er bringen würde.

»Dat is mit der Sonne grad so, wie mit den meisten Weltsachen und auch mit den meisten Menschen«, sagte Ohm Rickert, der schon eine ganze Weile hinter dem Lehrer stand, ohne daß dieser ihn bemerkte. »Sie versprechen eine ganze Menge und dann halten sie’s nicht und narren uns.«

»So kritisch?« lachte Manne Wögens. »Sind wir mit dem linken Bein zuerst aus dem Bett gestiegen? Das gibt’s nicht im Schulhause. Schaut nur weiter in die Sonne, Ohm Rickert, und auf unsere schöne, liebe Hallig. Sie lacht nicht oft so, wir wollen’s wahrnehmen. Rein Hart, klar Kimming!«

Ohm Rickert schüttelte den Kopf.

»An dem Lehrer erkenn ich den Schüler. Dem Onnen Holgers muß ich auch des öfteren sagen: ›Lösch din Lichters ut, mien Jung, es kümmt anners, as du dacht harst.‹«

»Nun, – und?«

»Dat möt ik hüt ok dem Scholmeester seggen.«

»Man zu. Es wird nicht viel nützen, denn ich hab heut ›Spring im Herz’ und Sing im Leib‹, wie meine Großmutter zu sagen pflegte.«