»Schulmeister, – – das Bett von Peder Luersen ist leer. Und im nächsten Umkreis vom Schulhaus ist er nicht zu finden.«
Manne Wögens erschrak heftig. »Das ist freilich böse Botschaft. Aber ich kann mir nicht denken, daß er sich ein Leides angetan hat.«
»Ein Leides? Mich dünkt, es wär’ die größte Wohltat, die der da oben für den arm Stackel haben könnt …«
»Wir müssen uns gleich aufmachen«, gebot der Schulmeister hastig. »Ich laufe zur Kirchwarf. Möglich, daß sein kranker Geist sich plötzlich erinnert und die Ertrunkenen dort sucht … Auf meine Schulkinder kann ich mich verlassen. Die beschäftigen sich schon selbst, wenn sie mich nicht vorfinden. Ich lege ihnen einen Zettel hin.«
»Tun Sie das, Schulmeister. Und ich such’ auf der andern Seite. Wenn Nahbar Luersen nicht schon in der Ewigkeit ist, dann soll er her.«
So trennten sie sich.
Ohm Rickert humpelte nach dem Nachbarhause und durchspähte das Wrack. Stieg im verschlammten Gärtchen umher, an welches seit dem Unglück noch keine ordnende Hand gekommen war. Aber Vadder Luersen war nicht zu entdecken.
Ohm Rickert sprach nach seiner Gewohnheit mit sich selbst. »Die größte Möglichkeit wär’, dat he, wat Luersen is, sich nach dem Mutterhof verlaufen hätte. Denn die Maren tut’s jedem an. Aber mich bringt niemand nach dem Mutterhof.«
Immer wiederholte er dies Gelöbnis, trotzdem seine Füße längst den Weg nach der Großwarf eingeschlagen hatten. »Nicht zehn Pferde ziehen mich allmeindag auf das Flag, wo man die Hand gegen mich aufgehoben hat …« Damit fing er auch schon an zu laufen. So gut es sein Gliederreißen gestatten wollte, ging es geradenwegs dem Mutterhof zu. Denn sein immer noch recht scharfes Auge hatte da etwas entdeckt. Er hatte es bald erreicht und hob das schmutzig weiße Bündel auf. Dann lief Ohm Rickert weiter und pustete und schnaufte gefährlich, denn sein altes Herz schlug heftig gegen die Rippen. Seine Angst war groß, und mit ihr stritt sich noch allerhand Unbekanntes und Uneingestandenes in seinem Innern.
Von der Treppe, die von der Großwarf nach den Fennen führte, kam jemand herunter gestolpert. »Christ Kyrie, wo wollt Ihr hin, Vadder Luersen«, fragte Ohm Rickert und hielt den Kranken fest. Der erschrak heftig, lachte aber gleich drauf. »Baden. Klein-Akke baden«, lallte er.