»Sprich erst mal richtig deutsch«, verwies der Bruder.
»Oha. Wi sün em ni mehr god nog«, lachte Melenke. »Aber so gutes Deutsch wie deine dicke Akke sprech ich noch allemal.«
Edlef sah sie zornig an. »Mit dir rede ich noch ein Wort allein, Melenke. Du hast dir eine Art angewöhnt, die paßt nicht auf den Mutterhof.«
»So laßt mich wieder nach Hamburg, da paßt sie hin.«
»Nach Hamburg gehst du nicht«, rief die Ahne. Weiter kein Wort.
Sie strickte hastig an dem groben, grauen Strumpf und wartete, bis Knecht und Magd sich schwerfällig erhoben und die Stube verlassen hatten. Ihnen folgten die beiden Jüngsten. Nicht ohne sich vorher bei Edlef »gemeldet« zu haben. So hatte er’s eingerichtet nach seiner militärischen Dienstzeit und es hatte sich bewährt. Die Kinder vom Mutterhof galten auf der Hallig als ganz besonders gut erzogen. Als Edlef »linksum kehrt« kommandieren wollte, fragte Onnen, der stramm vor dem großen Bruder stand: »Soll ich Herrn Lehrer Wögens grüßen? Er fragt immer, ob du einen Gruß geschickt hättest.«
»Freilich sollst du das.«
Die achtjährige Karen rief noch: »Bruder Edlef, ich grüß die Fräulein Maren, die ist jetzt da und weiß bannig viel schöne Geschichten.«
Dann liefen die Kinder fort.
Die Ahne ließ den Strickstrumpf sinken und zeigte ein bekümmertes Gesicht. »Du hast recht, Enkel Edlef,« klagte sie, »es ist ein garstiger Ton bei uns eingekehrt. Den hat man nicht gekannt im Mutterhof, solang er steht. Melenke, ich sag’ dir, meine Augen sind noch scharf, wie meine Ohren. Ich sehe, daß du ein Gesicht ziehst, als wärst du der Klügsten eine, und für die Ahne wär’s Zeit, der klugen Welt Valet zu geben. Da bist du aber irrig. Ich bin noch imstande, diesen neuen schlechten Geist mit eisernem Besen auszufegen. Hast du mich verstanden, Enkelin Melenke?«