Im Eppendorfer Krankenhaus führte »Schwester Käte« die junge Frau gleich zu ihrem Gatten.
»Er hat sehr nach Ihnen verlangt, Frau Holgers«, sagte sie teilnahmevoll. »Auch in der Narkose hat er immer nach Ihnen gerufen. Soll ich Ihnen Näheres vom Unglück im Elbtunnel erzählen?«
»Nein, nein,« wehrte Maren. »Ich will zu meinem Mann. Aber wird es ihn nicht zu sehr angreifen, wenn ich plötzlich vor ihm stehe? Wollen Sie ihn vorbereiten, Schwester Käte?«
Diese wendete ihr Gesicht fort. Sie meinte, noch nie solch wehen Ausdruck in den Augen eines Menschen gesehen zu haben.
»Nein, nein, Frau Holgers, gehen Sie nur, – – es ist besser, Sie sehen den Verletzten bald … Aber erzählen Sie nicht von dem Unglück, er – weiß es nicht, wie schwer seine Verletzung ist. Wenn Sie es über sich gewinnen könnten, Ihrem Manne frohe Dinge zu erzählen … so …«
Sie drückte Maren fest die Hand. Wollte hinzusetzen: »So machen Sie ihm das Sterben leichter«, aber die Stimme versagte der Leidgewohnten diesen trostlosen Augen gegenüber.
Der Chefarzt ging vorüber und sah fragend die Schwester und die Fremde an.
»Frau Holgers von Hallig Likamp …«
Da trat lebhafte Teilnahme in sein kluges Gesicht.
Das also war »Mutter Maren«, von der ihm Pastor Licht geschrieben. Und welche durch die Fieberträume des schwer siechen Mannes geschritten war und in seinem Wachen lebte.