Er reichte Maren die Hand in rascher, herzlicher Art.
»Nur ganz unbefangen mit ihm sein«, riet er. »Ihr Frauen seid ja doch nun einmal Helden im Schmerzverarbeiten … Ihr Mann wurde uns schrecklich zugerichtet gebracht. Wir mußten beide Beine sofort abnehmen. Und leider ist er auch innerlich schwer verletzt.«
Sie schritt zu Edlefs Lager. Man hatte ihn in einem Zimmer allein gebettet. Und Maren konnte ihm zulächeln und sah, wie ihm dies Lächeln wohltat. Und während sie meinte aufschreien zu müssen vor Jammer und Leid, scherzte sie mit dem Wunden: »Mein Edlef, sie warten alle daheim auf dich, und du legst dich in die Heia …?«
Er hielt ihre Hände und zwang sein schmerzverzerrtes Gesicht zur heiteren Ruhe. »Maren, mein Deern, gottlob, du bist bei mir.« So als läge gar nichts zwischen ihnen. Als seien all die eisigen Monate eitel Frühling und Sommerwärme gewesen. –
Und Maren meinte bei sich, sie würde bis an ihr Lebensende die Worte nicht vergessen, sondern würde ihre ganze Kraft aus ihnen saugen: »Gottlob, Maren, mein Deern, du bist bei mir.«
Sie hielt seine Hand und plauderte mit ihm. Von allem, was den Mutterhof betraf, und was sich dort ereignet hatte. Bei Akkes Namen verfärbte sich Edlef, und Maren sah es und litt unsäglich. Aber gleich nahm sie ihn wieder in ihre Arme: »Hast du Schmerzen?« fragte sie liebreich.
»Ja, große Schmerzen«, gestand er. »Die Beine und Füße quälen mich schrecklich. Sie müssen mehrfach gebrochen sein, aber man will es mir wohl noch verheimlichen. Maren, – wenn ich ein Krüppel würde! Oh, und wie meine Brust schmerzt!«
»Greift dich auch das Reden nicht zu sehr an?« Sie sah voll namenloser Sorge in sein gelblich-blasses Gesicht.
»Ach, nein, Maren, ich bin sehr froh, daß du gekommen bist! Wir Holgers müssen immer erst durch Tiefen gehen, ehe wir zur Einsicht kommen. Maren – – es ist kaum glaublich. – Erst als ich unter den schweren, immer aufs neue abgleitenden und stürzenden Steinen im Elbtunnel lag – Maren, da erst – kam mir zum Bewußtsein, daß ich dich schnöde verlassen hatte …«
Edlef sprach abgerissen, manchmal ganz undeutlich. Dann wieder umfing ihn wohltätige Ohnmacht.