Maren labte seine Stirn und die eingefallenen Schläfen mit kölnischem Wasser. Und ihr Herz betete und schrie: Mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Als Edlef wieder die Augen aufschlug, faßte er sofort fest ihre Hände.

»Du bist bei mir, Maren. Und ich werde den Professor bitten, daß ich bald heimkehren darf. – Du allein kannst mich gesund pflegen. – Und du wirst auch einen Krüppel liebhaben, ja, Maren? Aber sorg dich nur nicht – der Professor ist sehr geschickt – vielleicht flickt er mich auch heil zurecht …«

Nun stöhnte er auf, und Maren sah, wie sich helle Blutstropfen in seinen Mundwinkeln sammelten. Sacht wischte sie mit ihrem kühlen Leinentuch über seinen Mund.

»Blut?« stammelte er. »Wo kommt das wohl einmal her? Hab mir wohl gar ein paar Zähne eingeschlagen? Und es war nur Ungeschick von deinem großen Edlef, – Maren, du kleine, süße Deern … der Gang war so eng, ich wollte über den Riesensteinhaufen hinweg – die waren schlecht geschlichtet und begruben mich …«

Er wurde wieder ohnmächtig.

Nach einer Weile kam Schwester Käte. Sie beugte sich über Edlef und bedeutete Maren, sie für eine Weile mit dem Wunden allein zu lassen. Als Maren wieder gerufen wurde, lag Edlef mit wachen Augen. »Immer ist Maren da, wenn ich sie rufe«, sagte er leise. »Immer. Im Leid – meine Mutter … Schwester Käte, wann darf ich heimkehren …?«

»Bald!«

Wie eine bohrende Nadel senkte sich dies »bald« in Marens Brust. Sie nahm wieder ihren Platz am Bettrande ein, und wieder haschte der Versehrte nach ihren beiden Händen.

»Maren, mein Deern, – hast du mir vergeben?« Große Tränen rollten über sein blasses Gesicht. Maren trank sie mit ihrem Munde auf.