»Komm,« sagte Edlef Holgers, »ich möcht noch hören, was Pastor Licht weiß.«

Und Peder Claußen dachte, daß Edlef ihm trotz aller Freundschaft sein Glück neide.

Pastor Licht sprach ernst und eindringlich und recht wie ein Bruder zu seiner kleinen Gemeinde. Ein paar Leute schliefen. Nicht gerade die Ältesten waren es, aber die, die am Sonnabend vorher über Gebühr geschafft hatten. Denn der Sturm war des Nachmittags plötzlich aufgestanden und hatte sich wie ein Riese über die Hallighäuser geworfen. Da war manches zerdrückt worden, was dem Menschensinn fest genug gedünkt hatte. – Nun tat die gute, ruhige Stimme des Predigers den ermüdeten Halligbauern eine große Wohltat an. – Auch Edlef Holgers kämpfte mit dem Schlaf. Der Hüne hatte bis in die Nacht hinein noch den ärger bedrängten Nachbarn beigestanden und dann kaum zwei Stunden geruht.

Aber das Anliegen, das er an den Herrgott hatte, war ihm wichtiger als Schlaf und Müdigkeit. Er hielt die Mütze zwischen den gefalteten Händen und murmelte eindringlich: »Gib mir die Maren, – gib sie mir!«

Das feine Mädchen saß nicht weit von ihm auf der anderen Seite. Aber so tief hielt sie den Kopf gesenkt, daß nur ein paar eigensinnige Löckchen zu sehen waren, die sich nicht unter die Friesenhaube hatten zwingen lassen.

Zum Schlusse klang die Stimme des Halligpastors noch einmal recht eindringlich! »Nicht locker lassen! Anhalten am Gebet, wie unser Luther es uns lehrt, dessen Geburtstag wir heute feiern. Amen.« Da sagte auch Edlef ganz laut Amen, so daß ein paar Halligmädchen anfingen zu kichern, und die alten Leute bei sich feststellten, daß der Älteste vom Mutterhof ein fester, aufrechter Mensch sei und einen guten Hausvater abgeben werde. Vielleicht gar einmal einen vorbildlichen Gemeindevorsteher, wenn der alte Ketel Boon abdanke. Denn Edlef Holger’s Gesicht war ernst und gut und trug dabei ein zuversichtliches Gepräge. Und ernst, gut und zuversichtlich muß die Obrigkeit sein auf der Hallig.

Edlef erinnerte sich plötzlich einer Konfirmationsstunde, da hatte er die Worte gelernt: »Amen, das heißt: ›Ja ja, es soll also geschehen.‹«

Das sagte er nun heimlich vor sich hin, als Herrgotts Antwort auf sein Gebet: »Ja, ja, es soll also geschehen!«

Dann ging er ganz fröhlich von der Kirchwarf zur Schulwarf und grüßte vorher den Pastor, der gerade mit Peder Claußen ins Pastorat treten wollte. Edlef schwenkte beim Gruß ordentlich ein wenig den Hut, und Peder freute sich darüber, daß der Freund ihm wohl nicht mehr gram sei, sondern einsah, daß die schöne Akke Luersen nun endgültig dem Peder gehöre. –

Lehrer Manne Wögens und seine Schwester waren Edlef ein Stück vorausgekommen, trotzdem der Organist noch das Harmonium verschlossen und die Noten fortgepackt hatte. Aber Edlef hatte immer gar viel zu schauen auf seiner Hallig und Kreuz- und Quersprünge zu machen. Fand auch noch eine tote Mantelmöwe, und grub ihr mit einem angeschwemmten Stück Holz ein Grab.