»Ohm Rickert hätt’ besser nach Heyens Lei gepaßt als nach unserer Hallig«, rief scharf die Ahne. »Und zu dir, Karen, muß ich mit der Rute kommen, wenn du um Kaffeepunsch betteln gehst …«

»Weiter, weiter,« drängte Onnen. »Großmutter, der Schullehrer sagt, es sollte kein Mensch sprechen dürfen, solange du erzählst. Und das meine ich auch.«

Da flog wieder ein froher Schein über der Ahne Gesicht.

»Manne Wögens und ich sind Freunde«, sprach sie bedächtig. »Gott erhalte uns diesen Lehrer! Den hat man in die Stadt haben wollen. Da könnt er längst hausen und im Gold wühlen, aber er kennt keine Landflucht und bleibt der Hallig treu.«

»Wühlen alle Stadtlehrer im Golde?« fragte Karen.

»Ach, laß sie doch wühlen«, murrte Onnen. »Großmudder, erzähl weiter!«

»Ja, denkt, Kinder! Die Flut kam, und der Sturm heulte so gräßlich, wie man es nie gehört hatte.

Ein Segelschiff fuhr über die See und in der großen Dunkelheit über Heyens Lei hinweg. Da sahen die Seeleute ein Licht neben sich und sahen die Kartenspieler um den Tisch. Und schlugen ein Kreuz und beteten, denn sie meinten, der Gottseibeiuns wolle sie äffen und ihnen etwas Unheiliges am heiligen Karfreitag zeigen, so mitten in dem wilden Aufruhr der Natur. Die Nordsee aber hob sich wie die Brust von einem Riesen, die Wellenberge schossen heran und es brüllten die Sturzseen …

Und wo einmal die Hallig Heyens Lei gewesen, war nur salzen See.«

Klein-Karen weinte. »De armen Pasterlüd«, schluchzte sie. »Sie haben doch gebetet und die Glocken geläutet. Warum mußten sie untergehen?«