»Du tust da ’n gewaltiges Werk, mien Jung. Du setzest neben der Frauke Holgers auch mich alten Einspänner in alle Ehren ein. Bin ja auch ohne Leibeserben und der Ahne ein Dorn im Auge und der Hallig ein Pfahl im Fleisch.«

Die Ahne schaute finster.

»Ich erzählte vorhin nicht ganz zu Ende«, grollte sie. »Der Sage nach erbte unsere Hallig Likamp von der untergegangenen Hallig Heyens Lei eine Verpflichtung: Fruchtbar zu sein und sich zu mehren. Unter diesem Gottesgebot haben wir alle gestanden und uns ihm gebeugt. Denn wir leben nicht für uns, sondern für die Halligheimat. Gib fein Obacht, Enkel Edlef, daß sie dich nicht straft, wenn du ihre Gesetze umstößst.«

»Tu ich das, Ahne? Ich glaube nicht. Aber ich meine, Tanten Frauke ist alt und hat genug gelitten. Die ganzen Jungjahre hat sie in der Fehm gesessen, – ihr Lebensabend soll licht sein.«

»Du bist der Jungherr und ich gebe dir dein Recht«, nickte die Ahne ernst. »Möcht nur nicht, daß dein heutiger Schritt ein Freibrief sein soll für dich und andere, etwa garstiges Wesen und unheilige Stadtsitten bei uns einzuführen. Dann würde die Hallig sterben.«

Edlef reckte sich. »Da sei die Ahne unbesorgt«, lachte er. »An Urenkeln soll’s nicht fehlen auf Likamp und dem Mutterhof. Und jetzt seid allesamt fröhlich! Richtet unser Haus fein her! Fegt und wascht und stäubt die Zimmer. Und schmückt alles, wie schön ihr nur könnt. Ich will meine Braut hineinführen.«

»Ist es all so weit?« fragte die Ahne ernst.

»Es ist mein fester Wille. Ich bitte dich, Ahne, und dich, liebe Mutter, heißet Maren Wögens mit Liebe willkommen.«

Die Ahne starrte vor sich hin, Tanten Frauke drückte seine Hand. Und die Mutter sagte mit finsterem Gesicht: »Die Liebe schenkt man nicht im Mutterhof, die muß verdient werden.«

»Das weiß Gott«, seufzte Edlef. Aber er bezwang den aufsteigenden Groll. »Mutter, – mein Maren wird sich Eure Liebe verdienen, da hast du mein Wort.«