»Akke Luersen mag schlecht sein, aber klein ist sie nicht.«
»Das ist mir zu hoch. Und nun wollen wir vom Peder reden.«
»Wenn ich ihn nur erst zu fassen hätte, Ohm Rickert. Paß auf, der macht noch ’n dummen Streich, wenn er die Wahrheit erfährt.«
»Kein Streich ist so dumm wie der, die Akke an den eigenen Herd zu binden. Davor hat ihn der dicke Hamburger bewahrt. Du sollst auch dem Manne dankbar sein, Edlef, anstatt ’n Gesicht zu machen wie’n Floh, der in der Nordsee schwimmt und in keinen Rettungsring reinpaßt. Wenn aber die Akke dem Hamburger mal utrischt, und das tut sie bald, dann …«
»Red’ anständig, Ohm Rickert. Und daß du’s weißt, mein Sorg geht auch um Melenke. Du hast ihr Vorschub geleistet, Ohm, bei ihrer Wildheit. Das muß aufhören.«
»Tühnkram, Edlef. Vierzig Jahr bin ich welterfahrener als du. Siehst denn nicht, daß die Deern erstickt in Eurer Langweile? Und Melenke fügt sich nicht in so’n Zwang. Ersticken will sie partu nich. Da atmet sie sich eben rechts und links büschen Lebensluft zusammen. Ich war Heizer bei der Marine, Edlef. Da weiß ich, daß ’n Dampfkessel ’n Ventil braucht. So’n Ventil sollte meine Aufmünterung bei Melenke sein. Aber auf die Dauer genügt der Siebzigjährige ihr nicht. Nimm du meinen Rat, Edlef: Schick die Melenke fort! In einen fixen Dienst! Arbeiten muß sie, daß ihr die Schwarte knackt. Sonst reißt sie auch aus und – geht vor die Hunde.«
»Ohm Rickert«, rief Edlef entsetzt. »Wie kannst du so was Schauderhaftes sagen? ›Vor die Hunde gehen!‹ Ein Mädchen aus dem Mutterhof vor die Hunde gehen!!!«
»Mein Edlef, das ist eure Selbstgerechtigkeit. Die kann noch bös ausgehen. Die Melenke ist aus anderm Schlag als du und deine Schwester Nomine und deine Braut Maren, auch anders als die Ahne und deine Mutter … Überleg dir das Wort des alten Heizers mit dem Ventil. – Die Melenke wär nicht der erste Dampfkessel, der in die Luft geht. Was ich noch sagen wollt: wie geht’s der Nomine? Man hört und sieht nichts von ihr. Ist sie immer noch nicht gescheit genug? Der Postschiffer sagte neulich, sie ging jetzt in Kiel auf die Universität.«
»Sagt das der Postschiffer? Ja, Ohm Rickert, es ist wahr. Sie studiert. Ich bin sehr stolz auf meine Schwester. Dabei solltest du sie sehen, wie fix sie in praktischen Dingen ist. Wie sie ihren Kram fein zusammenhält in Kiel, wie sie kocht und wirtschaftet. –«
»Warum genügt’s ihr denn nicht, Lehrerin zu sein wie deine Maren?«