Auf der Schwelle prallte Edlef zurück. Ein großes, schönes Mädchen trat ihm entgegen und blickte ihn lustig an. »Willst du die Tür nicht frei geben? Wolltest du zu uns? Du hast nicht weit zu gehen, da bin ich.«

Er fuhr sich wie verlegen durch den blonden Schopf. Sie schritt lachend an ihm vorbei in den Wohnpesel. »Guten Abend beisammen.«

Sie löschte die Laterne und stellte sie auf den Beilegeofen.

»Willkommen, Akke Luersen« rief die Ahne, und Edlefs Mutter schob rasch einen Stuhl an den Tisch. – »Je später der Abend, desto schöner die Leute!« Das Mädchen mußte ihr sehr lieb sein.

»Ja, da bin ich, und lang hat’s gedauert. Trotzdem macht mein Edlef krause Stirn.« Sie fuhr ihm mit der großen, weißen Hand übers Gesicht. »Ist dir eine Laus über die Leber gelaufen?« fragte sie derb, »oder blieb ich dem Schatz zulange aus und er ist fünsch?« Edlef Holgers schüttelte den Kopf und sah versonnen vor sich hin. Sie schaute ihn schier etwas lauernd an, dann zuckte sie die Achseln. »Jedenfalls konnt ich nicht eher kommen. Und nun kann ich wohl die Neuigkeit vermelden, – ich hab wieder ’n kleinen Bruder!« Die Ahne streckte ihr lebhaft die Hand hin, Mutter Holgers gratulierte wortreich, und selbst Rickert Holgers, der alte Ohm und Altenteiler, der bis dahin schweigend an seinem Priem gekaut hatte, erhob sich und sprach lebhaft seine Anerkennung aus: »Gute Rasse, tüchtige Frau.«

Edlef Holgers blieb sitzen und fragte nur ganz ernst: »Wie befindet sich die Frau Mutter?«

»Mutter ist kreuzwohlauf«, lachte Akke Luersen. »Das macht die gute Übung«, setzte sie sehr offenherzig hinzu. Es schien so, als wolle sie den Verlobten reizen, denn die Röte lief wieder über seine Stirn, und die Falte zwischen den Brauen vertiefte sich. »Wieviel seid ihr jetzt Vögel im Nest«, fragte die Ahne ablenkend.

»Im Nest nur neun, aber sechs sind schon draußen auf See. Mutter meinte heut, es sei Zeit, daß ich flügge würde; was meinst du, Edlef?«

Edlef Holgers schwieg, aber Ohm Rickert krähte: »Mich dünkt, flügge bist all lang, man tut beinah gut, die Flüchten zu kappen.« Er spuckte in großem Bogen aus, so daß sich alle Köpfe erschrocken duckten. »Die Mutter meint wohl, daß du in dein eigen Nest fliegen sollst«, sprach geruhig die Ahne. »Uns ist es nicht zuwider, aber das mußt du mit deinem Bräutigam besprechen. Geh, Edlef, bring deine Braut zur Schulwarf, besprich dich dort und komm mit guter Nachricht heim. Der Mutterhof ist allstunds bereit, dein junges Weib zu empfangen.«

Der Abschied war herzlich. Man brachte aus Laden und Truhen, aus Beuteln und Strümpfen noch Geschenke hervor für die Wöchnerin und das Neugeborene, und die stattliche Akke ließ sich alles lachend aufpacken. Dann zündete Edlef die Laterne an und schritt mit der Braut zum Deich hinunter. Drinnen gähnte Melenke, daß alle ihre weißen, starken Zähne sichtbar wurden.