»Oha, das wird mal eine langweilige Ehe«, meinte sie. »Wenn ich nur die beiden sehe, tritt mich der Schlaf an. ’S wär nichts für mich. Bruder Edlef ist wie ein Kettenhund. Entweder er beißt oder er schläft.«

»Zu schlafen und zu gähnen wird er nicht viel haben in seiner Ehe,« krähte wieder Ohm Rickert. »Das wird ein Teufelsweib, die Akke. Möchte schier selber ihr Hochzeiter sein.« Er schmatzte behaglich an seinem Priemchen, und Melenke juchzte laut auf.

Die Ahne erhob sich fast jugendlich von ihrem Ohrenstuhl.

»Schämt Euch, Ohm Rickert. – Und zu dir, Melenke, sag ich, – ich bin die Ahne. Und hab trotz meiner fünfundachtzig noch die Kraft, dir eins an die Ohren zu geben, wenn du schluderig wirst. Acht auf dich, sag ich nochmal, – du bist Haustochter vom Mutterhof!«

»Dor rük an«, raunte Rickert der Nichte zu und formte sich ein neues Priemchen.

Mutter Holgers führte die Ahne sorglich in den Schlafpesel, Onnen folgte, und auch der langjährige Knecht und die Magd verließen die Stube. Melenke maulte.

»Haustochter vom Mutterhof! Ich pfeif drauf, wenn ich nicht lustig sein darf deshalb. Und wenn die Eheleute auf dem Mutterhof ümmerlos nur gebetet hätten, dann hieß er nicht der Mutterhof.«

»Dunnerkiel, was bist vorn Deern!« bewunderte Ohm Rickert. »Aus dir haben die zwei Jahr Stadtdienst in Hamburg auch grad keine Heilige gemacht. Da wirst du mit der Ahne bald wieder zusammenwachsen.«

»Ach!« seufzte Melenke. »Wär ich nur der Hallig ledig! Ich könnt einen guten Dienst wieder bekommen. In Blankenese; aber solange die Ahne lebt, erlaubt’s die Mutter nicht.«

»Und die Ahne macht’s über die Hundert hinaus«, nickte Ohm Rickert. »Paß auf, ich hab’s gesagt. Weiber, die’s Regiment führen, vergessen aufs Sterben. Deshalb hab ich nicht geheiratet. – Kennst doch die alte Stine Hinrichsen auf Mittelwarf? Mit der bin ich vor fuffzig Jahren gegangen. Aber sie wollt die Büx anhaben, und das litt meine Ehr nicht. Da hab ich mich fremd gemacht und bin zur Marine. Nun sind wir wieder auf einer Hallig zusammen. Und jedesmal zur Heumahd treffen wir uns, und sie mahnt mich keifend ans Eheversprechen.« Ohm Rickert schüttelte sich und spuckte wieder aus. »Beide haben wir die 70 auf dem Puckel. Gott bewohr mi. Ich krieg noch lang ’ne Junge. Die Akke Luersen möcht ich. Deuwel ok. De is to schad vörn Edlef. De jog ik em af.«