Onnen war sehr mißmutig dieser schlagenden Logik gegenüber. »Du hast gar keine Phantasie«, rief er voll Zorn der Enteilenden nach. Da legte sich eine Hand auf seine Schulter und er sah dem Pastor ins ernste Antlitz. Verlegen riß er sich den »Talar« herunter.
»Mein lieber Junge,« sagte Pastor Licht, »Mutterliebe ist besser als Phantasie. Und deine Karen scheint mir eine rechte, echte Puppenmutter zu sein. Aus denen werden dann die guten Menschenmütter«, setzte er mehr für sich hinzu. »Nun zeig mir den Weg zur Ahne, mein Sohn, ich muß mich ein wenig aufwärmen bei euch. Warm wird man nicht bei Begräbnissen, ob man nun unter dem Birnbaum bettet oder am Mäuerchen einscharrt.«
Onnen sah scheu nach dem Pfarrer hin. Die letzten Worte hatten gar eigentümlich geklungen, und das Gesicht des Sprechenden sah finster aus.
Drinnen im Wohnpesel wartete die Ahne. Sie hatte sich rasch ihr Gottestischkleid angezogen, um den Pfarrer würdig zu empfangen, aber sie machte nur einen tiefen, altmodischen Knix, und ihre Hände, die sich sonst immer so rasch dem Eintretenden entgegengestreckt hatten, blieben krampfhaft verschlungen.
»Ich muß den Herrn Pastoren allein empfangen,« meinte sie förmlich, »all meine Leute sind hilde zugange wegen der Hochzeit …«
»Mir würde die liebe Ahne auch ganz allein genügen«, meinte Pastor Licht. »Aber ich bin an ihr helle, freundliche Augen gewohnt, die immer eine Lampe im Wohnpesel überflüssig machten. Wo sind die beiden guten Lichtchen? Und darf ich meine zwei Hände nicht in Großmudder ihre hineinlegen?«
Die alte Frau pflückte mit ihren Fingern und sah an dem Seelsorger vorbei.
»Ich kenn mich nicht mehr aus, Herr Pastor«, sagte sie finster.
»Dann wollen wir beide recht ein Weilchen zusammenbleiben, Ahne.« Der Pfarrer setzte sich geruhig auf die Ofenbank. »Ich denk, wir sind’s beide wert, daß wir uns noch einmal wieder kennen lernen. Es wär doch schade, wenn unsere schöne Freundschaft in die Brüche ginge.«
Die Ahne hatte sich in ihren Ohrenstuhl gesetzt. Das Spinnrad holte sie, stellte es vor sich hin, netzte den Faden, und trug es ebenso rasch wieder beiseite. Das grobe Strickzeug wickelte sie aus dem Handarbeitskorb heraus, aber es lag dann müßig in ihrem Schoß. Da legte sie es in seinen Behälter zurück.