»Ach, Mutter, geht’s schon wieder los?« fragte Edlef seufzend und setzte sich still in eine dunkle Ecke an den Ofen.

»Wärst du dagewesen, Edlef, hätten wir den Trauspruch besprechen können mit dem Pastoren. So hat er nur mit der Ahne geklöhnt, und mich haben sie ganz außen vor gelassen.«

»Unsern Trauspruch weiß der Pastor schon, Mutter. Den haben Maren und ich uns ausgesucht und ihm hingebracht.«

»Da bin ich aber doch begierig …« Mutter Holgers sah sehr mißmutig darein. »Denn da gibt’s gar nichts auszusuchen. Der Spruch selbst steht vom Ururgroßvater her schon fest für den Mutterhof. Er heißt: ›Seid fruchtbar und mehret euch.‹«

Edlef stand auf und klopfte ihr begütigend auf die Schulter. »So wird’s hohe Zeit, daß einmal ein anderer schöner Spruch Geltung bekommt. Die Holgers sind doch keine Juden? Denen hat der Spruch einst gegolten. Mein feines Mädchen soll ihn nicht hören am heiligen Altar.«

»Meinst, was für deine ganze Sippe heilig war, ist für die Schulmeisterdeern nicht gut genug?«

Beinahe hätte Edlef herausgerufen: »Ja, das mein ich.« Aber die jauchzende Liebe zu seiner Maren erstickte im voraus jedes Ungute in ihm. So schluckte er den Groll hinunter und lenkte ab. »Mutter, unser Spruch heißt: ›Freuet euch! Und abermals sage ich euch: Freuet euch!‹«

»Arg heilig dünkt mich der Spruch nicht. Steht er wohl auch in der Bibel?« fragte die Mutter kopfschüttelnd. »Und schrickt dich nicht die Unterlassungssünd’? Frauke Holgers hat auch den uralten Spruch nicht haben wollen, – nun du weißt, wie es ihr erging.« –

»Mutter, meinst du, daß sich der Herrgott nach Mutterhofes Sprüchen richtet?« fragte Edlef unmutig.

»Ja, das mein’ ich just,« rief Mutter Holgers hell und hart. »Und ich hab’ manches erlebt auf unserm Gewese. Jetzt stehst du da, als ob dir nichts mangeln könnt, aber wie wird’s sein, wenn Maren unfruchtbar sein sollte? Du bist ein selbstgerechter Holgers, ich kenne die Art. Und deshalb sage ich: Der alte Spruch muß her. –«