»Mein Edlef,« begann sie wieder, »es ist unsere Pflicht und unser Wunsch, daß deine Hochzeit auf alte Halligart gefeiert wird …«

Ein wenig runzelte Edlef die Stirn und um ein weniges verfärbte er sich.

»Ich weiß,« sagte die Ahne, »daß dem Jungvolk der alte Zopf nicht mehr genehm ist. Vielleicht rümpft auch die Braut die Nase und sieht scheel auf alte Gebräuche. Sie ist kein reines Halligblut …«

»Der kennt meine Maren nicht, der meint, sie achte nicht Überlieferungen«, sagte Edlef rasch. »Aber da ist manches, was gar nicht mehr in unsere Zeit hereinpaßt …«

»So meint ihr. Aber der Mutterhof hat seine Ansicht für sich.« Die Stimme der Ahne zitterte. »Für mich würd’ es Schmach bedeuten, brächtest du dein junges Weib auf neumodsche Art unter dein Dach. Als hätt’ euch der Kuckuck getraut …«

Sie legte einen Augenblick, wie in Schwäche, die Hand über die Augen. Dann wandte sie sich zum Gehen. »Willst du Bedenkzeit, Edlef? Du hast nur wenige Stunden dazu. Morgen mit dem frühsten müssen die Hochzeitsbitter fort. Ohm Rickert wird dir in allem zur Seite stehen als nächster männlicher Verwandter. Soll ich ihn dir schicken? Oder …« Sie sah ihn unsicher an.

Da legte er den Arm um sie und umfaßte zugleich die Mutter. –

»Ahne und Frau Mutter, macht mit uns, was ihr wollt. Nur zusammen tut uns, meine Maren und mich. Aber wenn ich euch nachgeb’, dann müßt ihr mir auch zu Willen sein und Frieden mit dem Pfarrer machen …«

Die Großmutter sah ihn ernst an.

»Noch bin ich die Ahne«, sagte sie herb. »Und noch lebt deine Mutter. Du bist Jung-Edlef, vergiß das nicht …«