Er geleitete sie die Stiege hinunter, und drunten empfing sie Manne Wögens und küßte sie auf die Stirn.
»Geh mit Gott«, sagte er bewegt. Und zu Edlef wandte er sich und faßte seine Rechte: »Ich gebe dir den Schatz des alten Lehrerhauses, meine junge Schwester. Halte sie hoch!« Ernst sahen seine Augen in die des Haussohnes vom Mutterhof. Freimütig gab Edlef den Blick zurück.
Auf der Vordiele stand Ohm Rickert im langen Festrock, den schwarzen Hut mit buntem Band und Strauß geschmückt.
»Ich soll die Jungfrau Braut aus der Hand des Vater Wögens oder dessen Stellvertreters empfangen und soll ihr sagen: ›Du bist willkommen, Jungfrau, auf dem ehrbaren Mutterhof.‹«
Da führte der Lehrer seine Schwester ihm zu und sprach: »Die Ehre des Lehrerhauses lege ich in die Hände und Wände des Mutterhofes.«
Ohm Rickert empfing Marens Hand und führte die Braut wieder zu Edlef Holgers zurück. – An dessen linker Seite harrte Nomine Holgers, die Brautführerin. Sie hatte die alte Friesentracht angelegt und stand seltsam hoch und schön auf der Diele des Lehrerhauses. Manne Wögens’ Blick ruhte eindringlich auf ihr. Da senkte sie tief den Kopf und raunte: »Edlef, laß uns gehen.«
Der Brautzug schritt nach der Rechtswarf. Dort wohnte der Gemeindevorsteher, der sie standesamtlich verbinden sollte. Ketel Boon empfing sie mit viel Feierlichkeit und Würde. Sein Bewußtsein »von Rechts wegen« Hauptperson zu sein und mindestens neben dem Pfarrer, wenn nicht gar über ihm zu stehen, leuchtete aus seinem würdigen Gesicht. Auch er war schon im Festgewand, denn er und seine Frau gehörten zu den Eingeladenen, die das Hochzeitsmahl teilen sollten. Gleich nach der Namensunterschrift erschien die »Frau Gemeindevorsteher«, und der Zug ordnete sich wieder und schritt zur Kirchwarf. Hell riefen die Glocken über die Fennen, und eine klare, leuchtende Wintersonne sandte ihre Strahlen in den Brautkranz von Maren Holgers, geborenen Wögens.
Pastor Ephraim Licht wartete an der Friedhofspforte und streckte dem jungen Paar beide Hände entgegen.
Und als Edlef und Maren die ihren hineinlegten, waren sie wie in einem behaglichen Nest, denn die Pastorin legte ihre Hände mit obenauf. Und machte ein so fröhliches Gesicht dazu, als wäre sie ein Kind und wollte gleich anfangen zu spielen: Fru Nachbarn, borgen Se mi ehren Höhnerkorb! Dabei rief sie immer »Gottes Segen! Gottes Segen!« und schaute die beiden in strahlender Mütterlichkeit an. Dann schritten sie in die Kirche, wobei Brautjungfer Nomine diesmal zur Linken der Braut gehen mußte, um später an der Hochzeitstafel den Platz wieder zur Linken des Bräutigams einzunehmen. Maren setzte sich still in das Gestühl hinein, während Edlef bei den Seinen stehen blieb, bis Pastor Licht ihm winkte.