Da ging er festen Schrittes an das Gestühl heran. Und als er in all seiner Kraft und männlichen Schönheit harrte, den feurigen Blick auf seine schmucke Deern gerichtet, da vergaß Maren völlig die guten Lehren ihres Bruders Manne. Und sie sprang rasch auf und folgte dem Bräutigam eiligst.

Als es ihr hinterher zum Bewußtsein kam, wollte sie freilich schämig zurückweichen, aber da hatte er schon ihre Hand gefaßt und ließ sie nicht mehr los.

Pastor Licht war auch voll Freude. Denn da die Ahne eine Hochzeit mit alten Gebräuchen verlangt hatte, so deckte es sich diesmal mit der oft und gern geübten Thüringer Sitte, beim Segen die Ringe zu wechseln.

»Freuet euch! Und abermals sage ich euch: Freuet euch!«

Manne Wögens zog alle Register seines Harmoniums. Es war ein Jubilieren, daß den Hochzeitsgästen das Herz groß und weit wurde. Dann schwieg die Orgel, und Manne Wögens ertappte sich nun beim Lauschen der herzerfrischenden Traurede auf dem Gedanken, ob der ernste, würdige Pastor Licht nicht am Ende sein fröhliches, rundes Luischen zur Arbeit dieser Festpredigt mit herangezogen habe. –

Beim Heraustreten aus der Kirche begrüßte die Braut ein Ehrenschuß, dann setzte sich der Zug nach der Großwarf in Bewegung, und nach einer Viertelstunde empfing sie die Ahne an der Schwelle des Mutterhofes. Hei, wie die Fahnen auf den bekränzten Mastbäumen grüßten und winkten!

Beinahe wollte Alle die Rührung übermannen, als die Fünfundachtzigjährige die junge Frau feierlich einholte und ihren Spruch sagte. Aber Ohm Rickert drängte sich an die Braut und fragte: »Sollen wir dich nachher aus der Ecke tanzen?«

Da wich sie erschrocken zurück, und die Ahne mußte schelten über die Störung.

»Was wollt Ihr, Ahne,« murrte er, »der Eckentanz ist echter Halligbrauch!«

»Jawohl, aber ein garstiger. Und ich will, daß nur die guten Bräuche nicht vergessen werden. –«