»Edlef, was soll das? – – –«
»Ja, Akke, ich mein es im Ernst. Es wär noch Zeit. – Sieh, es weiß ja niemand um unsern Verspruch …«
»Niemand? Weil’s Lehrer Manne Wögens nicht weiß, ist die ganze Welt niemand für dich.«
»Warum trugst du’s weiter?« brauste er auf. »Wir hatten’s uns versprochen, daß es geheim blieb. Auch Peders wegen. Es ist ja die Frage, ob ihr besser zusammenpaßt als wir zwei, – aber ich hab ihn gesehn, – er ist ganz durchhin, – er tut mir leid.«
Akke Luersen lachte auf. »Du kannst mir auch leid tun mit deinem plötzlichen Erbarmen, Edlef. Aber dazu ist’s zu spät. Gewollt hab ich dich nicht, – aber jetzt will ich dich, und du wirst mich behalten. Und heut, da du einmal auf der Schulwarf bist, kannst du es dem Lehrer auch sagen.« Edlef Holgers nickte müde. »Ich gab mein Wort«, murmelte er. Von da ab wurde nicht mehr gesprochen von den beiden. Dann und wann hob Edlef die Laterne hoch und half der Braut über eine Wasserstelle. Mechanisch führte er und stützte sie, wenn sie strauchelte. – Aber sein Herz hatte keinen Teil an seiner Sorgfalt, und das Mädchen biß die Lippen zusammen und war voll Zorn. –
Vor dem Hause der Braut blieben sie stehen. Er reichte ihr abschiednehmend die Hand. Ungestüm zog sie seinen Kopf zu sich herunter und küßte ihn wild. Dann ließ sie ihn los.
»Willst du der Mutter nicht Glück wünschen?« fragte sie hastig.
»Nein, – ich wünsche ihr lieber Ruh. Grüß die Mutter.«
Sie ging ins Haus. Der Wind oder der Zorn riß ihr die Tür aus der Hand und schmetterte sie ins Schloß. Edlef hörte noch die gar nicht schwache Stimme der scheltenden Wöchnerin. Dann stapfte er seinen Weg zurück. Nach zwanzig Schritten blieb er stehen und hob wieder die Laterne. Ihr Schein flog über die Fenster des Hauses, vor dem er stand, und bis zu den drei Schornsteinen mit dem Blitzableiter empor. Auch den Zaun, hinter dem der knorrige Birnbaum stand, beleuchtete Edlef, als wenn er das alte Schulhaus noch nie gesehen hätte. Und er hatte doch jahrelang darin die Bänke gedrückt, ehe er nach Husum zur Weiterbildung gekommen war, wie es die Überlieferung erforderte vom ältesten Haussohn des Mutterhofes. –
Als sich nichts regte im Schulhause, setzte Edlef seufzend seinen Weg fort; aber sein Blick haftete an den niederen Fenstern, die von dichten, weißen Vorhängen verhüllt waren. Freundlicher Lichtschein quoll trotzdem heraus. Nach weiteren zwanzig Schritten kehrte Edlef trotzig um und stand dann bald wieder vor dem Schulhause. Das Licht hinter dem Vorhang schien hin und her getragen zu werden, aber als Edlef umständlich und laut seine hohen Stiefel vom Schlick befreite und dann und wann kräftig gegen die Hauswand stieß, blieb das Licht stehen.