Die Stubentür öffnete sich, und Lehrer Manne Wögens stand auf der Schwelle. »Ist’s der Wattenmeergeist oder Knecht Ruprecht, der an meine Tür donnert«, fragte er launig. »Mensch! Edlef Holgers! Dich war ich nicht vermuten …«

»Ich störe dich nicht, Manne Wögens?«

»Wenn du mit guten, frohen Gedanken kommst, störst du uns niemals. Aber grad wollten wir in die Heia.«

»Wir? Wer ist wir?«

Manne Wögens lachte schallend. »Maren, komm her, stell dich zu mir,« rief er, »Edlef Holgers weiß nicht mehr, wer ›wir‹ sind.«

Da sah Holgers in ein paar stille blaue Augen. Die waren von sehr dunklen Brauen umgeben und standen in einem seltsam feierlich schönen Gesicht.

Dunkles Blondhaar fiel weich in die Stirn. Die Gestalt war schlank und zierlich, und reichte dem Riesenbruder noch nicht einmal bis zur Schulter. Schier winzig stand Maren Wögens zwischen den beiden Hünen. »Er ist stumm geworden«, spottete der Lehrer. – »Sieh sie dir nur an, Edlef, sie hat unsere alte Friesentracht angelegt und möcht’ gern eine waschechte Halligtochter sein. Aber unsere Thüringer Mutter schlägt allerorten bei ihr durch. – Nun, Ihr Fische? Noch immer stumm?«

»Guten Abend, Fräulein Maren.« Edlef reichte ihr die Hand, und sie legte die ihre hinein. So traten sie miteinander über die Schwelle des Schulhauses. Ganz fest hielt Edlef Marens Hand. Und merkte es nicht, daß das Mädchen rot und verlegen wurde. Manne Wögens sah belustigt auf beide.

Endlich befreite sich Maren, und dann saßen sie um den runden Tisch. Und während der Herbststurm sich draußen gewaltig erhob und scheinbar versuchte, die Haustür aus ihren Angeln zu heben, dünkte es Edlef Holgers, als sei es Mai geworden. – In ihm war Grünen und Blühen. –

Plötzlich rief er: »Bonnestave habe ich gepflückt, einen Riesenstrauß! Und ich wußte doch gar nicht, daß Sie kamen. Ich werde ihn morgen bringen. Warum sind Sie hier, Fräulein Maren?«