Der Lehrer dachte einen Augenblick, ob wohl Ohm Rickert zu viel getrunken habe.
Der sah aber nur bekümmert aus, und als nun das einfache Festmahl beendet war und alles aufstand, ging Ohm Rickert zu dem jungen Mädchen und schlug ihr auf die Schulter: »Nun, Nichte Melenke, freut dich deines Bruders Hochzeitstag?«
Sie lachte spöttisch auf. »Zum Ersticken ist’s«, rief sie fast laut. »Und die Langeweile frißt einen auf. Ist das wohl auch eine Hochzeit? Wo bleiben die Musikanten? Ich möcht’ den ganzen Mutterhof zusammentanzen.«
»Das sollst du auch, mein Deern. Und da kommen auch die Bierfiedler. Und wenn dir die Luft zu knapp wird, dann geh vor die Tür, da weht ein artiger Halligwind. Paß fein auf, Deern, daß er dich nicht verträgt. –«
»Hab’ keine Sorg’ um mich und acht auf deinen Schustertanz«, gab Melenke finster zurück.
Da strichen auch schon die Fiedler auf Geigen und Baß, und vier »Junggaster« sprangen vor, knieten nieder, sangen, sprachen und reigten vor dem jungen Paar:
»So steckt he sin Nadelje, so trekt he sin Dradelche,
So kloppt he sin Ledder up Ledder.
Na, Schohmaker, kumm morgen wedder!«
Ohm Rickert war recht in seinem Element. Als einer der »Junggaster« sich beim jähen Bücken »dat Krüz verrenkte«, sprang der Alte sofort in die Bresche und reigte, tanzte und sang, daß selbst die Ahne mit ihm ausgesöhnt wurde.