Dann holte die alte Kastenuhr mächtig aus und sechs Schläge tönten aus ihr hervor. Ein helles Glockenspiel folgte: »Befiehl du deine Wege.« Da falteten sich alle Hände.
Und die Ahne nestelte an dem Schlüsselbund, das an ihrer schwarzseidenen Schürze hing, und ihre zitternden Hände legten den Schlüssel zur »heiligen Kammer« in Edlefs Hand. Die umschloß ihn fest, und zugleich umfingen seine Blicke die zarte Gestalt seines jungen Weibes in unnennbarer Zärtlichkeit. Pastor Licht gewahrte diesen Blick, und ein großes Freuen war in ihm. »Nun brauchen sie uns nicht mehr«, sagte er zu seinem Luischen. Ganz still drückten sie dem Paar die Hände und verließen den Mutterhof.
Hand in Hand schritten Edlef und Maren zu jedem einzelnen Hochzeitsgast und empfingen ihren Segenswunsch. Mancher gab wohl auch einen eingelernten Spruch, einige sagten »Mit Gott« oder »Gott walt’s«.
Bruder Manne reichte Maren nur die Hand. Sie sah nicht auf, aber sie gab den Druck fest zurück. Da kam sie zu Ohm Rickert. »Nichte Maren,« raunte er eindringlich, »willst noch einen ehrlichen Rat von der Erde mitnehmen, ehe du in den Himmel gehst?«
Maren Holgers nickte sacht.
»So höre zu. Man kann eine Stube nur vom Sofa aus beherrschen! Setz dich nicht immer auf den Stuhl, du kleine, blasse Madam!«
»Wat hedd he seggt?« fragten die Umstehenden.
Aber Ohm Rickert sagte seinen Spruch nicht noch einmal. Denn die Hauptsache für ihn war, daß »die kleine, blasse Madam« ihn verstanden hatte. Voll und groß schlug Maren Holgers ihre Blauaugen zu ihm auf: »Habt Dank, Ohm Rickert! Das Wort tat mir nötig! Ich will’s befolgen!«
Die Geigen jubelten, der Baß brummte und die Flöte klagte, es war ein großer Lärm. Man tanzte den Kehraus. – Denn noch um sieben Uhr abends wollte der Schiffer einige auswärtige Hochzeitsgäste nach Pellworm bringen. Und als das bräutliche Paar längst verschwunden und der Tumult am stärksten war, stahl sich die junge Melenke vor die Haustür, um nach Rat vom Ohm Rickert einmal – Atem zu holen …