Es war harte und hilde Zeit bis alle Schifften gemäht waren. Und viel Schweiß kostete noch das »Schwählen«, das »Diemensetzen« und »Einfahren«.
Und wir haben einen Bittgottesdienst gehalten, daß unser Herrgott die salzen See bändigen möge, auf daß keine Sturmflut uns um den Lohn unserer Mühe bringe. –
Die »Eintagsfliegen« von Sylt, Föhr und Amrum waren wieder sehr lästig diesen Sommer. Nicht einer war darunter, um dessen Wiederkehr man gebeten hätte. Gottlob, es wird auch hie und da Verständnis und Liebe zu uns getragen. Aber die, so es tun, bleiben dann auch wirklich bei uns auf längere Zeit. Und fragen nicht viel, sondern öffnen ihre eigenen Augen und empfangen all unsern Reichtum mit wachem Herzen. So geben und nehmen wir wechselseitig unvergängliche Werte. Mit dem Strom von Hamburger Fremden kam im August auch Akke Bahn, geborene Luersen, zu uns. Ein seltsames Weib. Wunderschön hat die Natur sie gebildet, und jeder wendet sich um nach ihr, so sehr fällt sie auf. Aber auf ihrem Gesicht liegt jetzt ein Zug verbissenen Trotzes. Der pflegt sonst auf dem Antlitz der werdenden Mütter zu fehlen. Sie kümmert sich nicht viel um ihren Zustand, sondern schafft tüchtig im Hause der Eltern, bei denen viel schwere Arbeit zu tun ist. Oft höre ich ihr lautes Lachen über den Nachbarzaun herüber. Neulich kam Edlef zu mir, und ich ging ihm entgegen. Da stand die Akke am Zaun, und ich fing einen Blick auf, den sie ihm zuwarf. Der war so heiß und auffordernd, daß er früher wohl gezündet hätte bei ihm. Aber Edlef ist ein sehr fester, sehr glücklicher Halligbauer geworden. – Er zog die Mütze wie vor einer Fremden und schaute mir entgegen mit freien, guten Augen. – Abends sitze ich hie und da mit Vadder Luersen auf meiner Hausbank. Er tut dann alles ab von seiner Seele, was ihm das Leben draufgepackt hat, und ich höre gern die Philosophie seines trocknen Humors. Dabei sagte er mir einmal: »Ich mag mein klein Akke zu gern um mich leiden, is ’ne fixe Deern und schafft für Zwei, trotz ihres reichen Mannes. Aber mich dünkt, sie verfolgt einen Zweck hier. Und dazu gebe ich mich nicht her. Und wenn sie meint, ich behalte sie wieder ganz auf der Schulwarf und setz’ mich bei dem Herrn Schwiegersohn in die Nesseln, dann hat sie vorbeigedacht. Das sechste Gebot ist kein Kinderspielzeug. Und ihr Kind soll in seines Vaters Wiege liegen, wo es hingehört.« Ich bedeutete dem Alten, daß es wohl nicht gerade die passendste Ehe für seine Tochter gewesen sei, aber das wies er weit zurück.
»Der Schwiegersohn hat sie rechtschaffen lieb,« sagte er, »aber seine Hand is büschen fest. Das braucht die Deern auch. Ich hab mir den Kram in Hamburg mal angesehen, das hat alles seinen rechten Schick. Und der Schwiegersohn ist fleißig und angesehen. Und daß er kein heuriger Has’ mehr ist, ist auch gut.«
Vadder Luersen mag recht haben. – –
… Schwester Maren …
Ich möchte ergründen, ob sie wohl ganz restlos glücklich ist. Edlef ist’s, er geht wie auf Sprungfedern. Maren ist sehr ernst geworden. Es kleidet sie gut, meine junge, süße Schwester. Aber ich möchte sie wohl wieder hell lachen hören. Einmal tat sie es. Es war an einem Sonntag, da sie mich beide heimgesucht hatten. Sie stand in ihrem Mädchenstübchen und fand allerlei Kram aus der Kinderzeit. Darüber lachte sie laut und herzlich. Und Edlef neben mir hob lauschend den Kopf, als sei ihm das silberne Glöckchen völlig fremd. Und ein großes Erstaunen ging über sein offenes Gesicht.
Sollte der Mutterhof jeglich Lachen ersticken? – –
Melenke Holgers ist in Hamburg bei einer Putzmacherin.