Es war wirklich nicht nett von der Frau Pfarrer, daß sie so einen Aufstand um diese Bemerkung machte und mit so tränendurchzitterter Stimme rief: »Tut denn niemandem von Ihnen der arme Junge leid, der im Jähzorn fehlte? Wollen wir ihn mit so lieblosen Worten ziehen lassen?«
Und die sanfte Frau hatte mit flammenden Augen die ganze Kaffeegesellschaft angeschaut, und als auf ihre Frage sich niemand meldete, war sie ohne Abschied fortgegangen und Frau Doktor Hempel mit ihr.
Das sah beinahe ein bißchen wie Verachtung aus, aber man war viel zu sehr überzeugtes »weißes Schaf«, als daß man so etwas auf sich bezogen hätte.
Mindestens aber war es ärgerlich.
Doch konnte ja die Frau Pfarrer tun, was sie wollte. Man würde sie eben so bald nicht wieder einladen und ihretwegen sich gewiß nicht scheuen, seine eigene Meinung über die Eiks zu haben und auch auszusprechen. –
Frau Doktor Hempel ging direkt von der Kaffeeschlacht heim und in die Studierstube ihres Gatten, während Frau Pfarrer noch einige Schwerkranke besuchte, um »ins Gleichgewicht zu kommen«, wie sie meinte.
Doktor Hempel war noch auf Praxis, aber seine Frau nahm sich gar nicht Zeit, sich bis zu seiner Ankunft ihres seidenen Kleides zu entledigen und sich’s hausfraulich bequem zu machen, – ja sie setzte sich nicht einmal, – sie war zu aufgeregt dazu. Wie der förmlichste Besuch wartete sie in Hut und Mantel auf ihren Mann, und auf ihrem offenen, energischen Gesicht lag ein Ausdruck von Zorn und Trauer.
Da kam Doktor Hempel schon über den Platz in heftigen Schritten, er grüßte die ihm Begegnenden nur mit einem Handwink und zerstreuter Miene, und die Schwarzhausener sahen ihm nach und tuschelten miteinander. Er kam ja vom Eichenborn. –
Als Doktor Hempel in sein Zimmer trat, kam ihm seine Frau entgegen und forschte angstvoll in seinen Augen.
»Nun?«