»Es geht zu Ende. –«
»O der arme Junge!« rief sie aus, »der arme Junge!«
Der Doktor war zu seinem Schreibtisch gegangen, um die eingetroffene Post nachzusehen, jetzt drehte er sich schroff um.
»So ein Unsinn! Was hat der Junge damit zu tun? Das heißt, ja – – natürlich, – etwas schon, – aber was will das besagen? Für den Arzt gar nichts.«
»Aber für die Schwarzhausener,« fiel seine Gattin erregt ein und erzählte ihm alles, was das Kaffeekränzchen an Gift entwickelt hatte.
»Verdammte Klatschweiber!« fluchte Doktor Hempel. – »Jawohl, ich höre sie ordentlich reden: ›Der allgemein verehrte Herr Baldamus!‹ So’n Kerl! Pfui Teufel! Jetzt kann ich ja noch schimpfen. Du bist ja meine liebe, dienstlich vereidigte Alte. Und wenn er erst tot ist, dann halte ich’s mit dem Wort: ›De mortuis nil nisi bene‹.«
»Wird er wirklich sterben?« fragte sie bang.
Er nickte ernst. »Ich bitte dich, – zuckerkrank in diesem Alter, außerdem verseucht bis oben hin, – herzleidend, – – nun ist eine Fußwunde aufgebrochen und – der heftig blutende Biß dazu – – –«
»Sie werden alle, alle dem letzteren die Schuld geben,« meinte Frau Doktor Hempel traurig.
»Aber das ist Unsinn, – verrückter Blödsinn,« fuhr der Doktor auf. »Unsere verehrten Mitbürger sind Hornochsen, besonders aber die Ehehälften. Ein paar vernünftige Kerle hielten heute Kriegsrat mit mir, der Postverwalter und der Apotheker. Den Rektor Tüllen wollten wir mit zuziehen, um dann dem alten Eik vorsichtig beizubringen, daß es das beste wäre, den Jungen erst mal aus Seh- und Hörweite der lieben Schwarzhausener zu bringen. Aber siehe da, der Alte war schon von selbst so weitsichtig gewesen, – die Übersiedlung des Bertold junior nach E. war schon beschlossene Sache. Herr von Eik senior ist vernünftiger als alle Schwarzhausener zusammen.«