»Das kann sie doch gar nicht. Wo ihr Junge, der schlechte Kerl, dran schuld ist.«
»Weiß man das denn so genau? Er war doch immer leidend, der Herr Baldamus, und sah aus wie Braunbier und – – –«
Schreinermeister Hellwig muß verstummen, denn man dreht ihm entrüstet den Rücken. Es spricht ja auch nur der Ärger aus ihm, weil der Sarg nicht bei ihm bestellt ist, sondern in der Residenz. Im übrigen wollen sich die Schwarzhausener auch nicht ihren Prügeljungen nehmen lassen. »Na überhaupt der junge Bertold Malcroix! Ein Glück, daß man ihn los war, – der hätte noch mal die Stadt an allen vier Ecken angezündet.« –
Die Glocken läuten, und der Zug zieht langsam zum Kirchhof – – –
Im Eichenborn ist es auch still und leer. Sie sind alle zum Begräbnis mit Ausnahme des alten Fräuleins Adelgunde, der Frau Franziska und Hieronymus Teichmann. Der letztere hat einen Augenblick am Fenster gestanden und hinabgeschaut auf die vielen Kränze und Blumen und hinausgehorcht auf das mächtig tönende Geläute, und ein bitteres Lächeln hat dabei auf seinem Antlitz gelegen. –
Tante Adelgunde sitzt in ihrem großen, weiten, behaglichen Zimmer, aber nicht auf dem Fenstertritt, wo das Spinnrad steht, sondern weit ab vom Lichte in einem der großen, tiefen Sessel. –
Sie will den langen, ehrenden Leichenzug nicht sehen und nicht den blumenüberdeckten Sarg, sie will auch die Staatskarosse der Eiks nicht sehen, worin der einsame Mann sitzt, der allzeit so aufrecht ging …
Wie eigen mag ihm zumute sein, daß er jetzt in dem langsam fahrenden Wagen drüber nachsinnt, wie blind die Menschen doch sind.