Franziska hatte das Büchlein in ihr Zimmer mitgenommen und das Siegel dort gelöst.
Und wie sie sah, daß der Umschlag ein Buch enthielt, das ihrer eigenen Mutter gehört hatte, als sie die geliebten Schriftzüge erblickte von der treuen Hand, die schon so lange moderte, – da war das Verzeihen für die Schuld des Toten bewußt in sie gekommen, – er hat mir Gutes tun wollen, er wollte sühnen, indem er mir als letzte Gabe das Liebste reichte, was es für mich geben konnte.
Und sie hatte gelesen, was die teure Mutter in dem kleinen Buche niedergelegt – – –
Aber das Haupt der Medusa konnte nicht schrecklicher blicken, als dies kleine Buch mit den zarten Schriftzügen; und langsam, langsam erstarrte das Herz der Lesenden. –
Eichenborn, den 17. Mai …
»Nun bleiben aber Glaube, Liebe, Hoffnung, diese drei, aber die Liebe ist die größte unter ihnen.«
Das war unser Trauspruch.
»Und nun frage ich dich, Carola Dannenstein, willst du diesen gegenwärtigen Bertold Eik von Eichen lieben und ehren, und ihm treu sein, bis der Tod euch scheidet?«
»Ja!« rief ich hell und freudig, »ja!«
Die Schwarzhausener haben darüber gelacht und getuschelt, es ist nicht Sitte hier, daß eine Braut so laut das »Ja« herausjubelt, man darf es schon auf der ersten Kirchenbank nicht verstehen. Nur der Bräutigam darf es laut sagen.