Was kümmert’s mich? Ich komme aus der freien Reichsstadt Bremen und – wenn mein Herz »ja« jubelt, dann tut mein Mund es freudig kund.

Wie gern hätte ich mich in Bremen trauen lassen, in derselben alten, lieben Kirche, da ich getauft und konfirmiert wurde, – aber mir lebt niemand mehr dort, – so ganz verwaist bin ich. Da bin ich vom Hause meiner Schwiegereltern in das meines Gatten getreten, – es ist ja im Grunde ein und dasselbe, – der schöne Eichenborn. Aber der Flügel, da ich mit meinem Bertold hausen soll, ist hell und licht, – – die Zimmer der andern sind umschattet von hohen, dichten Eichen.

»So ganz verwaist bin ich?« Lieber Herrgott, vergib mir dies Wort, da mich doch der Eine, der Einzige, der Herzliebste heute an sein reiches Herz genommen hat, das vor mir noch keine geliebt, und das mir Vater, Mutter, Bruder und Schwester sein will. – Nein, ich bin wahrlich nicht verwaist.

Frau Therese Teichmann, die runde, stattliche Frau unseres Dieners und Faktotums, hat mir geholfen, den Brautstaat abzulegen und mir das Strumpfband gelöst, – eine alte, uralte Sitte im Hause Eichenborn. Bertold und ich wollten nicht in die Welt hinaus fahren, sondern die ersten, seligen Stunden des Vereintseins in unsern vier Wänden genießen.

Jetzt umfängt mich das traute Wohnzimmer mit lauter lieben, alten Möbeln aus meinem Vaterhause, dem alten Bremer Patrizierheim. Nebenan liegt der ungeheure Saal, weit und dämmrig tut er sich auf und die vergoldete Stukkatur seiner Decke leuchtet matt zu mir herüber. Prunkvoll ist er eingerichtet, – die Eiks sind ein reiches Geschlecht. – An den Saal reiht sich Zimmer an Zimmer, ich habe sie alle an Bertolds Hand durchschritten.

Nur das eine nicht, das neben diesem, meinem Wohnzimmer liegt. – Aber heimlich, ganz heimlich hab’ ich hineingesehen, – dort stehen zwei ungeheure Riesenbetten, und schneeiges Linnen bauscht sich in ihnen unter rotleuchtenden, seidenen Decken. Eine herzbeklemmende, süße Angst befällt mich, wenn ich an das Stübchen denke – – – Herzliebster! Herzliebster! Herzliebster!

Mein Ruf holt ihn nicht herbei, – – er ist fortgeholt worden zu einem Schwerkranken, zu einem Sterbenden.

Das war recht seltsam für mich, und Hieronymus Teichmann, der die Botschaft überbrachte, sah mich mit mitleidigem, ernstem Blicke an. Er wollte sich wohl überzeugen, wie tapfer oder untapfer ich sei an meinem Hochzeitstage.

Aber das liebe ich ja gerade so an meinem Bertold, daß er in dem großen, ihm unterstellten Getriebe alles ist, Herr und Arbeiter, Freund, Bruder, Körper- und Seelenarzt. Und so trete ich willig zurück, da man ihn an ein Sterbebett ruft.

Ach, – nicht nur das Ziel, auch der Weg dahin ist schön.