»Wo hast du die Welt so verachten gelernt?« fragte ich ihn sinnend-neckend und strich mit meiner Hand sacht über die beiden Fältchen, die seinen schönen, großen Mund mit den eisenfesten, blitzenden Zähnen leicht herabziehen.
Eine feine Röte stieg in sein Gesicht.
Dann aber blitzten seine dunklen Augen mich an, sein dürstender Mund lag auf dem meinen, und wir tranken aus dem Becher der Seligkeit.
»Ich liebe die Welt, seit sie dich trägt,« flüsterte er mir zu. –
»Seit zwanzig Jahren?« fragte ich zweifelnd. »Wann kam denn das Verachten?«
»So lieb’ ich die Welt, seit du mein eigen bist!«
»Also immer!« rief ich jubelnd und schmiegte mich an sein Herz.
Den 22. Mai.
Eifersüchtig bin ich. Wer hätte das gedacht! Ich am wenigsten von mir selbst.
Ich hatte es ja nie gespürt, – wie sollte ich auch? Er liebte mich, er wählte mich, und aus den Wonnen eines kurzen Brautstandes, in welchem er nur für mich und ich für ihn lebte und webte, holte er mich in den Eichenborn, in das stille, düstere Haus seiner Väter.