Im August.

Heute führte uns der Weg nach dem kleinen, alten Friedhof. Man kommt zuerst an das Mausoleum mit untermauertem Grund, in welchem seit Jahrhunderten die Eiks von Eichen schlafen.

Ach, bei solch einer Anhäufung von Särgen, da kann ich nie an Schlaf denken, sondern nur an Moder. Im grünen Wald oder im dichtverwachsenen, kleinen Totenhain, unter Efeu und Immergrün, umrauscht von alten Bäumen, da kann man schlafen. Vom Mausoleum ab führen die stillen moosbewachsenen Pfade nach den Gräbern der andern, die aber immer mit dem Hause Eik in irgendeiner Verbindung standen: Angestellte und Arbeiter der Fabrik, Gutsleute und ihre Kinder.

»Warum ruht ihr Eiks nicht hier?« fragte ich, »o wie es hier nach Rosen duftet und Jasmin, nach Jelängerjelieber und Jesuskraut. Die Zypresse im Erbbegräbnis schaut so streng und traurig.«

»Die Eiks sind ja auch ein strenges und trauriges Geschlecht,« meinte mein Liebster ernst. »Außerdem,« setzte er kurz auflachend hinzu, »wollen sie selbst im Tode noch etwas Besonderes sein und getrennt von den übrigen Sündern.«

»Da liegt auch ein Sünder!« rief ich lebhaft und zeigte auf ein ziemlich neues Grab, dem mein Bertold den Rücken kehrte. Dünne Grashälmchen wuchsen darauf, durch welche man die kahle Erde überall hervorblicken sah. Ein kleiner, düstergrauer Stein schmückte die Stelle, – nein doch, er schmückte sie nicht, er zeigte sie drohend dem Beschauer. »Gott sei mir Sünder gnädig!« stand mit großen, schwarzen Buchstaben auf dem Stein.

Mein Bertold hatte sich herumgedreht, und sein braunes Gesicht war blaß, als er die Worte las.

»Wie furchtbar!« stieß er hervor. »Wie konnte der Alte das tun!«

»Wer ist der Alte?« fragte ich.

Bertold biß sich auf die Lippen. Vielleicht war ihm der Ausruf nur so entschlüpft, doch entgegnete er ruhig: »Der alte Hörschel. Sein Kind – – – es war ein Selbstmörder.«