»War es dein Freund?«
»Nein.«
Dann zog Bertold meinen Arm rasch und fest durch den seinen und schritt mit mir fort aus dem Reiche der Toten in unser lebendiges Heim. –
Ein Jahr später.
Schwer habe ich gelitten. So schwer, daß ich nicht dazu kam, mein Wohnzimmer zu betreten, viel weniger, dies Buch aufzuschlagen.
Eine Fehlgeburt brachte mich nahe an jenes dunkle Tor, das zum Erbbegräbnis der Eiks führt.
Und nun eröffnen mir die Ärzte, daß ich nie mehr ein Kind zur Welt bringen würde – – –.
Warum legte Gott solche tiefe Muttersehnsucht in mein Herz? Warum gab er tausend und abertausend vornehmen Frauen Kinder, die doch von den Müttern vernachlässigt und den Dienstboten übergeben werden? Warum sandte er tausend und abertausend siechen, verderbten, armen, hungernden Müttern und Vätern dies Gottesgeschenk und versagt es gerade mir so grausam? Warum, warum? Verlorene Frage! Aber sie verläßt mich nicht, sie wird zum Hammer und schlägt immerfort auf mein armes Herz. Warum? Warum? All mein Kinderglaube, mein starker Glaube, zerbricht, ich hadre mit Gott und nenne ihn nicht mehr den Allgütigen, Allweisen, nur noch den Allmächtigen, der mein Glück in Trümmer schlug. – – –
Ein Jahr später.
Wenn ich mein ganzes Leben lang so selten in diese Blätter schaue, – dann wird das Büchlein hundert Jahre aushalten. Und wer trägt die Schuld, daß die gern plaudernde Carola Eik verstummt ist? Verstummt? Kommt ins Kinderstübchen und lauscht dem sprudelnden Quell der Worte und Lieder, die ich meinem Kleinchen darbringe.