Meinem Kindchen? – – Muß man denn immer Unmögliches haben wollen? Immer wie unmündige, törichte Kinder nach den Sternen langen?
Mein Bertold wurde mein Arzt. Unter seinem guten, ernsten Zuspruch wurde ich ruhiger, wurde Trostgründen zugänglich, und er eröffnete mir das reiche Feld der Armen- und Krankenpflege, er schickte mich mit reichlichen Summen in die Wohltätigkeitsanstalten ringsum, damit ich mit eigenen Augen sähe, wo es not tut, mild und werktätig einzugreifen. So braucht der Liebesquell in meiner Brust nicht zu versiegen, täglich erneut er sich, und sein Reichtum wird größer, je mehr ich davon abgebe. –
Und als ich eines Abends zu ihm sagte, ganz leise in sein Ohr flüsterte: »Bertold, – für ein süßes Kindchen hätte ich doch noch Zeit bei all meiner Arbeit und vor allen Dingen, du großer Bertold brauchst so wenig Pflege, und ich habe solch einen Überschuß an Liebe in mir, – – es braucht doch nicht ein eigen Kind zu sein – – –«
Da – – am andern Tag lag’s in dem blau seidenen, weiß verschleierten Himmelbettchen, so recht mitten in den Thüringer Landesfarben. – Und es war ein süßes, holdes, zweijähriges Mägdelein, das mich zur Mutter begehrt, weil seine eigene, gute, treue Mutter tot ist. – Es heißt Franziska.
Ein halbes Jahr später.
Ei du kleine Franziska, – wie schwingst du dein winziges Machtzepterchen über den Eichenborn. Alles ist dir untertan, vom Vater an bis herunter zum kleinsten Küchenmädchen und Stiefelwichsjungen.
Du hast auch gar zu liebe, blaue Augen, gar so ein feines Näschen, du siehst eigentlich aus, wie eine echte Eik von Eichen. Das macht unsere Pflegeelternliebe, die dich geboren hat, zu einem neuen Leben im Hause Eik. – O ich könnte eifersüchtig werden, jetzt mehr denn je, ja jetzt sogar mit Berechtigung, denn mein Bertold liebt das Kind, – beinahe hätte ich geschrieben: »über alles!«
Aber das wäre Sünde, das darf ich meinem Liebsten nicht antun.
Und es ist eigen, – er kann nicht die zarteste Anspielung auf seine zärtliche Neigung zu Klein-Franziska vertragen. Er wird nicht heftig oder mürrisch oder abwehrend, – er wird so tief ernst und traurig, daß mir das Wort, kaum dem Munde entflohn, schon leid tut und ich mir immer mehr vornehme, diesen Fehler meines Herzens zu bekämpfen. – Eifersucht! Es ist ja auch zu häßlich, auf ein kleines, schönes, liebes Kind von zwei Jahren eifersüchtig zu sein. –
Manchmal meine ich, Franziska gehöre mir, und ich sei seine Mutter. Meine Phantasie arbeitet dann so stark, daß ich mich in die Schmerzen noch einmal hineinträume, die ich um mein totes Glück erlitt, und dann träume ich weiter, daß dies tote Glück nur ein Traum sei, – daß es in Wahrheit lebe und Franziska Eik heiße.