Da waren die beiden Alten wieder, und mir war es, als winke mir der Mann. Ich hatte die Kleine wieder mitgebracht, – sie weicht ja nicht von meiner Seite, wenn sie sieht, daß ich einen Ausgang habe, und ihre »Mutti« dünkt ihr alles – – –

Ich schritt auf das Grab zu und reichte beiden die Hand, als könne es nicht anders sein.

»Hören Sie nicht auf ihn!« raunte die alte Frau leise, »er soll nicht reden und darf es nicht. Wir leben jetzt schuldenfrei auf eigenem Grund und Boden, seit das Kind da ist, das vergißt er immer und ist undankbar.«

Und dabei vergaß die alte Frau, der jetzt, während sie Fränzchen anschaute, die helle Güte aus den Augen sprach, völlig, daß sie doch wohl auch nicht reden durfte. Mich fröstelte inmitten der warmen Sommersonne. Aber ich konnte mich nicht vom Platze rühren.

»Warum gaben Sie Ihrem Sohne solch’ einen traurigen Spruch?« fragte ich, um etwas zu sagen.

»Unserm Sohne? Hier liegt unsere Tochter, die Fränze, die Schande auf uns brachte.«

»Nicht Schande!« schluchzte die alte Frau, »sie war gut, – so gut.«

»Ja zu gut war sie!« lachte der Alte heiser und dann loderte es in seinen Augen auf und er trat vor mich hin und zeigte auf die kleine Franziska: »Hüten Sie das Mädchen! Es ist Zug um Zug mein Kind, aber es hat die Eikschen Augen! Hüten Sie es«. –

Das andere verlor sich im Murmeln, die Frau nahm den Arm des Mannes und zog ihn rasch vom Friedhof fort, sie weinte jetzt laut und bitterlich.

Und ich war wissend geworden!