Das Vertrauen zum liebsten Menschen ist dahin und das Kind? – – Ich sehe an ihm nur immer die Eikschen Augen und sehe Zug um Zug das Antlitz des unglücklichen Mädchens, das mein Bertold verdarb. Wo soll ich die Kraft hernehmen, weiter zu leben? Wie ein Gralskelch leuchtete mein Glück, – jetzt liegen die Scherben, ein billiger Tand, staubbedeckt zu meinen Füßen. – – –
Aber das Kind soll es nie erfahren. In jeder einsamen Stunde will ich mich stärken zu dem schweren Missionswerk, – – – hilf mir, – hilf mir, Allerbarmer, der du diese Last auf meine Schultern legtest.
Franziska Malcroix wußte nicht, wie lange sie gelesen hatte, – waren es Stunden, waren es Jahre? Sie strich mit der Hand über das kleine Buch, das die liebste Mutter geschrieben, welche es auf Erden gegeben hatte. –
Dann schritt sie langsam, – o so langsam die gewundene Treppe hinunter in ihres Vaters Zimmer.
Der alte Eik saß an dem wuchtigen Schreibtisch und schrieb und rechnete, aber mitten in die Belege seines Reichtums kam die Störung, und auf den Zahlen, die sich im letzten gesegneten Jahre wieder um eine Null vergrößert hatten, lag plötzlich das kleine Buch, das er einst vor so langen Jahren seiner jungen Braut geschenkt, damit sie ihre beiderseitigen, glückseligen Erlebnisse darin verewige. – – –
Er hatte das Büchlein zuerst wiedergesehen, damals als sein Weib starb. Von einem Eik konnte ja niemals Glück ausgehen, und so waren auch diese Blätter erfüllt von Leid, erfüllt von jener häßlichen Schuld und einzigen Lüge seines ehrenhaften Lebens. Er hatte das Buch am Todesabend seines Weibes gelesen und war von jenem Augenblicke an der düstere, grimme Eik geworden, der sich ganz in Schmerz und Bitterkeit versenkte und kaum noch seines Kindes achtete.
Aber die kleine Franziska trat mit sicherem Schritt in die Fußstapfen ihrer geliebten Mutter, deren Hinscheiden sie zuerst beinahe verzweifeln ließ.