Der junge Bertold Eik war fleißig.

Er lebte nicht gerade als Bücherwurm, aber er betrachtete es auch nicht als Vorrecht des Begabten, bummelig und nachlässig zu sein.

Für die Bezeichnung »Streber« und »Musterknabe« hatte er sein wohllautendes, klingendes Lachen, das ihm manchen Freund schuf. Aber es waren Schulfreunde, – keine Lebensfreunde.

Es war etwas Knappes und Stolzes an ihm, das mit Unrecht von manchen Lehrern mit Hochmut bezeichnet wurde. Denn Bertold hatte nie lange bei dem Gedanken geweilt, daß er einem reichen und alten Geschlecht zugehöre, sondern weit eher darüber gegrübelt, warum er seines eigenen Vaters Namen nicht tragen dürfe. Und aus den vielen Bitterkeiten, die sein junges Leben schon aufzuweisen hatte, aus den unschuldig erlittenen Kränkungen entstand und wuchs ein ernster Stolz. Seine beiden Begleiter waren wie zwei gute Gluckhennen, die Entlein ausgebrütet haben und nun sorgenvoll am Ufer stehen. Aber es waren verständige Gluckhennen, die es sofort einsahen, daß Bertold sich nicht zum Küchlein eigne, sondern unter allen Umständen schwimmen müsse.

Manch spottendes Wort fiel aus Schülermund über die beiden »Kindermädchen«, ohne deren Begleitung Bertold nie in den Freistunden zu sehen war, aber so lange der Spott harmlos blieb und sich mehr auf Bertold, als auf die beiden Getreuen bezog, lachte Bertold sein liebes Lachen und versöhnte die Spötter damit. Übelwollende aber banden nicht mit ihm an, denn der junge Eik hatte eine kräftige Faust, und viel Gras wuchs nicht mehr dort, wo er hinschlug.

Sein Geigenspiel aber war der Stolz aller.

Ganz unerwartet trat ein neuer Musikdirektor an die Spitze des Gesangvereins in E., und dieser war ein feinsinniger Geiger, der selbst einmal den glühenden Wunsch in sich getragen hatte, als ein heller Stern am Kunsthimmel zu glänzen, aber durch das harte »Muß« der Mittellosigkeit nach einer Brotstelle getrieben war.

Zu diesem Lieblingsschüler Meister Joachims kam nun Bertold Eik, und nicht nur in seine Hände nahm der Alte den Jungen, nein er zog ihn gleich in und an sein Herz.

»Der soll das erreichen, was mir das Schicksal versagte,« rief er nach der Prüfung den beiden Getreuen zu, »das ist einer von Gottes Gnaden. Und er soll sein bißchen Geld zusammenhalten, damit es zum ernsten Studium ausreicht, und er soll sich nicht verplempern mit irgend einer Hanne oder Suse, sondern nur zur heiligen Cäcilie beten. Zwei Jahre will ich das Büblein lehren, was ich selbst kann, dann soll er mir nach Berlin.« –