Nur er selbst war anders geworden. Hochgewachsen und gut gebaut, überragte er seine Altersgenossen weitaus. Das zielbewußte Arbeiten, das Vertiefen in gute Musik und das anstrengende Üben hatten ihm etwas Vergeistigtes gegeben, das gut zu seinem scharf geschnittenen Gesicht paßte. Von Traumseligkeit war nicht mehr viel zu entdecken in seinen dunklen Augen, – etwas nachdenklich konnten sie blicken, waren aber sonst scharf und sogar ein wenig spöttisch. Frau Franziska hatte leicht ihre kühlen, weißen Hände auf diese Augen gelegt bei der ersten Begrüßung.
»Was ist denn da hineingekommen?« fragte sie forschend.
»Nun, – was sieht mein Mütterchen darin?«
»Zuerst mich selbst, Gott Lob und Dank!« meinte die Mutter, »aber dann noch tausend Teufelchen.«
Da war das alte, echte Knabenlachen erklungen, das sie so sehr liebte, und welches sie gleich beruhigte.
»Mütterchen, kam dir Schwarzhausen nicht heute etwas wie eine Humoreske vor?«
Sie hatte wohl dasselbe gedacht, aber doch schmerzte sie der Ausspruch aus seinem Munde. »Sahst du nichts anderes in deiner Heimat?« fragte sie mit leisem Vorwurf.
»Mütterchen, ich sah zuerst nur dich,« entgegnete er frohmütig und umschlang sie mit beiden Armen, »du wirst bei jedem Wiedersehen schöner!«
Frau Franziska lachte nun doch ein wenig. »Und was sahst du dann, du Schelm?«
»Unser altes Schwarzhausen! Das aussah, als hätte man es vor neun Jahren in eine Spielzeugschachtel gelegt, den Deckel fest draufgedrückt, damit kein Staub darauf falle, und es nun herausgeholt frisch und neu zu Ehren des Herrn Abiturienten Bertold Eik.«