»War es ein gutes Examen, Bertold?«

»Ja, Mütterchen! Nicht mit Befreiung vom Mündlichen. Weißt du, das litten Johann Sebastian Bach und der alte Musikdirektor nicht; beide wollten mir die Chaconne einverleiben, die ich vor Meister Joachim spielen soll, ehe ich nach Bonn gehe. Im übrigen war ich ja nie ein Musterbub’ und hab’ mich auch in Mathematik und Geschichte elend verhauen. Da hieß es denn: ›Antreten zum Mündlichen‹. Aber oberfein war’s. Da konnte man erst zeigen, was man intus hatte. Wir kreuzten nicht schlecht die Klingen, die Herren Schulmonarchen und wir sieben.«

»Sind alle durchgekommen?«

»Freilich, Mütterchen! Wir gaben ihnen aber Nüsse zu knacken!«

Frau Franziska lachte. »Oder sie euch, mein Junge.«

»Ergo, es war famos.«

»Und wie nahmen die Lehrer deinen Entschluß auf, später dem Eichenborn vorzustehen?«

»Mütterchen, – der prächtige Doktor Gabriel war eigentlich der einzige, der so mit mir drüber sprach, wie es nottat. Im ganzen finde ich’s ja nett, daß es in E. noch so patriarchalisch zugeht und die Tyrannen der Schulbank so gemütlich mit den Mulis zusammenkommen, – aber nur Doktor Gabriel sprach mir ernstlich zu, bevor ich zur Universität gehe, noch mal vor den Großvater zu treten, ihn zu bitten: ›Laß mich Musiker werden!‹ Und dabei das stramme und doch gütige Wort: ›Kopf hoch, Eik!‹ Das tat mir wohler, als die Moralpauke über das vierte Gebot, die mir Doktor Mops und die Schildkröte hielten. Ebenso gaben der Patagonier, der Gesprächsgegenstand und der Schreibkrampf noch ihren Senf dazu. Ach, und mir nützt das so gar nichts!«

Bertold sah mit einem Male sehr bekümmert aus. »Ich weiß nicht, Mütterchen, ob du mich verstehst, wie mir zumute ist, so abseits zu stehen, wenn die andern mit tausend Masten segeln.«

»Hat Doktor Gabriel keinen Spitznamen?« fragte Frau Franziska, sehr beflissen, Bertolds Gedanken von seinem letzten schmerzlichen Ausruf fortzulenken.