Frau Franziska lehnte ihren Kopf an Bertolds Schulter. »Wie gern hülfe ich dir! Ich leide am meisten unter meiner Armut und – daß ich meinem Einzigen nicht helfen kann.«
Bertold umschlang sie fest mit beiden Armen. »Du sollst nicht leiden, Mütterchen,« rief er zärtlich und küßte sie knabenhaft stürmisch. Dann bettete er sie wieder sorglich an seine Brust und sah auf den lieben, schönen Kopf herunter. War es denn möglich, daß sich schon so viele weiße Fäden durch das dunkle Gelock zogen? Wie er seine Mutter liebte! Wie viel sie gelitten haben mußte! Durch ihn, Bertold, sollte ihr nur Freude und Gehorsam kommen, das war sein Entschluß.
»Jetzt sage ich zu dir: ›Mütterchen, Kopf hoch!‹« versuchte er zu scherzen. »Wir wollen nachher zum Großvater gehen und alles Nötige wegen Bonn besprechen. Vielleicht kommt ihm auch selbst der Gedanke, daß ich hier am nötigsten bin.«
Frau Franziska sah halb zweifelnd noch in das liebe, ehrliche Gesicht ihres Jungen. Aber darin war nur ein fester Entschluß und mannhafte Entsagung zu lesen. »Mein Junge!«
»Mütterchen?«
Sie sahen sich beide wieder froh in die Augen und dachten nur daran, daß sie beisammen waren.
Nach einer langen Weile des Schweigens meinte Frau Franziska: »Sahst du die Liselotte Windemuth, als wir an der Kirche vorüberfuhren?«
»Ja, Mütterchen.«
»Sie ist groß geworden und sehr hübsch, Bertold. Das lange, schwarze Kleid veränderte sie heute etwas, und die Feierlichkeit der Konfirmation lag noch ganz auf ihrem Schelmengesicht.«
»Wie ist sie innerlich, Mütterchen?«