Wäre sie doch nur nicht zuerst in den Eichenborn gegangen!

Hätte sie doch lieber erst Vetter Hans ins Vertrauen gezogen!

Neun Trennungsjahre hatten doch wohl eine zu tiefe Kluft gerissen, und ihr lebhaftes Temperament hatte diese zu rasch überbrücken wollen. Nie, nie würde sie wieder ungebeten den Eichenborn aufsuchen, nie!

Und sie, Liselotte Windemuth, glaubte nun auch, was sich alle von Bertold erzählten: Düster und greulich und hochmütig war er und – – –

So kam es, daß, als Bertold sich in seinen Träumen recht eng mit der Jugendgespielin verknüpft fühlte, er in Wirklichkeit weit – weit ab von ihr weilte. –

Haus Eichenborn versank nach Bertolds Abgang zur Universität noch ein wenig mehr in Dornröschenschlaf.

Von außen und in einzelnen Teilen auch von innen, hätte man es mit Recht für ein verwunschenes Schloß halten können, besonders, wenn man Fräulein Adelgundes graue Gestalt am Spinnrade erblickte, oder wenn man die alte Dame vor Beethovens Spinettchen sitzen sah, das unter dem weichen Anschlag ihrer runzeligen Hände zitternde Klänge hinaussandte durch das rosen- und efeuumrankte Fenster in den stillen verwachsenen Park.

»Einsam wandelt dein Freund im Frühlingsgarten, Adelaide – –«

Und von Beethoven, dem alten Meister, war es der Spielenden nur ein kurzer Gedankensprung zu dem lieben Jungen, dem die Musik eine Kapelle und Beethoven der Heilige darin dünkte. Tante Adelgunde hatte es dem Knaben nie vergessen, daß er sich einst nicht würdig genug befunden hatte, die Tasten auf dem Spinett zu berühren, das Beethovens Hände gemeistert.

Mit klaren Augen und scharfen Ohren, zu denen sich ein junges, warmes Herz gesellte, verfolgte die beinahe Neunzigjährige den Lebenslauf des Großneffen.