Bertold war ziemlich matt von Stubenluft und Blutverlust, er konnte wohl schon auf Stunden aufstehen, aber er streckte sich noch immer mit ganz besonderem Wohlgefühl in seinem Bette aus; vielleicht war ihm auch der Anblick seiner sorgsamen Pflegerin, Mütterchen genannt, ein ganz besonders lieber, den er auszukosten wünschte. Er brauchte nicht mehr so streng mit Gesprächen und Aufregungen verschont zu werden, sondern konnte schon wieder einen Puff vertragen und dieser Puff war ihm auch von Tante Adelgunde nicht vorenthalten worden.

»Schlachtergesellen sind vom Eichenborn seiner Lebtage nicht zu seinesgleichen gerechnet worden«, hatte sie mit ihrer feinen, dünnen, alten Stimme zu Bertold gesagt. »Und ihr Raufbolde habt euch wie Schlachtergesellen verhackstümmelt. Schäm’ dich! Der liebe Gott hatte dich als hübschen Jungen erschaffen, jetzt gibt dir kein einigermaßen hübsches Mädel je wieder einen Kuß.«

Wahrhaftig, der Junge konnte noch lachen, – nicht mal verlegen, sondern frisch, frei, frohmütig, so, wie nur er es verstand, echt aus dem Herzen heraus. »Wieder? sagst du? Wieder? Tante Adelgunde? Meiner Seel’, ich hab’ noch nie einen Kuß von einem Mädel gekriegt.«

Ganz ehrlich klang es, aber er brauchte doch nicht so krebsrot und verlegen hinterher zu werden, – es war also geschwindelt und Tante Adelgunde verließ ärgerlich und aufgeregt den Kranken.

Frau Franziska hantierte ruhig und ernst im Krankenzimmer und bereitete alles für die Nacht vor, die Bertold nun nicht mehr mit einem gelernten Wärter, sondern nur noch unter Obhut von Hieronymus Teichmann zubrachte, der im Nebenzimmer sein Lager aufgeschlagen hatte.

Bertold betrachtete sein Mütterchen mit einem humorvollen Lächeln.

»Wie schlecht du dich verstellen kannst, Liebstes«, meinte er leise und ergriff ihre Hand, die ein Glas frischen Wassers auf das Nachttischchen setzte. »Deine Augen fragen den ganzen Tag und ebenso dein Mund, trotzdem er nur das Notwendigste mit deinem bösen Buben spricht. Soll ich nun jetzt antworten, Mütterchen?«

Frau Franziska beugte sich über ihren Sohn, sah ihm ein Weilchen in die Augen und küßte ihn dann auf die Stirn.

»Hast du es doch gemerkt, du Siebengescheidter?« lachte sie leise und verlegen auf, während helle Röte über ihr Gesicht flog. »Schön und gut, ich erwarte deine Beichte. Aber gleich eins sage ich dir vorher.« Frau Franziska reckte sich hoch auf. »Ich glaube nichts von dem Unsinn, den die Schwarzhauser über dich verbreiten und ich werde dir selbst nicht glauben, wenn du mir jetzt etwa tolles Zeug vorreden willst. Mein Junge bist du und ich bin dein treuer Kamerad. Unbesonnen und jähzornig kannst du handeln, aber nicht niedrig oder unritterlich, es ist einfach nicht möglich – und auch mit dem Mädel – ich glaub’s nicht, – mein Bub ist höchstens in mich verliebt, – gelt, Bertold?«

Ein wahres Leuchten zog über des jungen Burschen Gesicht. »Gibt es nun wohl noch eine solche Mutter?« lachte er glücklich. »Wie du mich kennst, deinen wilden Jungen! Komm her, Altchen, ganz nahe zu mir.«