Er lächelte dankbar, schlummerte dann ein Weilchen und schlug wieder die Augen auf. »Wenn ich bitten dürft – – mit schuldigem Respekt, – daß man den Herrn von Eichen weckt, – möcht gern die starke Hand noch drücken und mich dann still bei Seite rücken. – Und Brennstoff – – und den Rektor Tüllen – wird man mir wohl den Wunsch erfüllen? Ich möchte sie beide noch mal sehn – – und kann dann ruhig – – nach Hause gehn.«

Er sprach abgerissen, leise und langsam, aber Franziska hörte deutlich jedes Wort und nickte ihm gewährend zu. »Sie werden alle bald da sein, mein guter Teichmann, soll ich auch Frau Thereschen holen?«

Er schüttelte abwehrend den Kopf. »Ich glaube nicht, daß ihr das frommt; sie braucht die Ruh für das, was kommt, – – sie würde jammern auch und klagen, – ich kann das jetzt nicht gut vertragen« – – Teichmann schlummerte wieder und Frau Franziska verließ sacht das Zimmer. Es währte nicht lange, und sie standen alle um ihn, die seine Treue im Leben besessen und sie fühlten, daß etwas Gutes von ihnen wegschritt. Die rechte Hand reichte der Sterbende dem Rektor Tüllen und die Linke Frau Franziska. Zwischen ihm und dem alten Lehrer bildete das längst verstorbene Ännchen das Bindeglied, aber der Tochter seines alten Herrn schlug sein Herz unmittelbar entgegen.

Am Fußende ragte die hohe ungebeugte Gestalt des alten Eik, und zu Häupten des Bettes mühte sich Kantor Brennstoff vergebens, einer heftigen Bewegung Herr zu werden. –

»Will mir mein Herr ein gutes Sprüchlein sagen?« fragte Teichmann mühsam. »Ich muß den letzten Gang nun wagen und aus dem Eichenhause ziehn – – – Den Pfarrer möcht’ ich nicht bemüh’n – –«

Der alte Eik trat rasch näher, – er legte seine große Hand auf die des Kranken: »Ei du frommer und getreuer Knecht, du bist über Weniges getreu gewesen, ich will dich über Vieles setzen, gehe ein zu deines Herren Frieden!« – –

Das war ein wunderschönes Lächeln, das jetzt auf dem Antlitz des alten Dieners lag. Das Sprüchlein war wohl mitten in sein treues Herz hineingesprochen worden und hatte ihm den Trost gegeben, nach dem er verlangte. Deshalb suchten seine müden Augen nun nicht mehr die umstehenden Menschen, sondern richteten sich in weite, lichte Fernen – – –

»Brennstoff, ich sehe den Großen, ich sehe Beethoven« sagte er laut und dann mühte sich seine sterbende Stimme, eine Melodie zu formen, aber es war nur mehr eine zersprungene Glocke, die ihm heimläutete, – heim. Nur die Worte konnte man deutlich verstehen:

»Fahr wohl, du goldene Sonne – – –«

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