Dem Schnitter Tod schien es in dem kleinen, freundlichen Schwarzhausen wohl zu behagen, er kümmerte sich nicht um Hygiene und nicht um die Ärzte, er rief: Arzt, hilf dir selber, und winkte Doktor Hempel. Dieser sträubte sich zuerst mächtig, er war ein kräftiger, willensstarker Mann und unermüdlich in dieser schweren Zeit auf dem Posten gewesen. Vielleicht zu sorglos und unermüdlich.

Als er den Totenschein für Hieronymus Teichmann ausstellte, sprach Doktor Hempel noch eindringlich mit Frau Franziska, daß sie sich schonen und hinlegen müsse, sie sähe erbärmlich aus von ihren angreifenden Nachtwachen, und die Schwarzhausener hätten es den Kuckuck nicht verdient, daß sie sich aufopfere.

Doktor Hempel war überhaupt verdrießlich und heftig aufgebracht gegen die ganze Welt, die einen schiefen Gang ginge, gegen die Seuche insbesondere, die so tat, als hätte es nie die bewährten und berühmten Hempelschen Reinigungskuren gegeben, und welche über Kurellasches Brustpulver, Zitwersamen und Brennersches Pflaster einfach hinwegschritt.

Ganz besonders aber war er aufgebracht gegen Schwarzhausen, welches noch hinter dem Monde zurück war und von absichtlicher Brunnenvergiftung »gärte und märte«.

»Und Sie müssen die Ohren steif halten, meine liebe Frau Fränzchen, und sich für Ihren Bertold schonen und tapfer aufbewahren, denn der braucht Sie wie das liebe Brot. Er hat nicht viel Freunde in Schwarzhausen und die wenigen sind alt. Und das Heer seiner Feinde sieht scharf nach ihm hin, der später doch einmal so eine Art Vater von ihnen sein soll und doch ist es so kurzsichtig von den Einwohnern, nicht den Segen zu erkennen, der vom Eichenborn für Schwarzhausen ausgeht. Darum hüten Sie als Mutter Bertolds guten Engel, – und der sind Sie selbst. – Und nun Gott befohlen! Mir ist heute selbst gar nicht »extra«, – ich werde mir jetzt einen Aromatique genehmigen und dann zu den Porzellinern gehn, – die sterben reineweg wie die Fliegen, weil sie alle Zwetschenbäume gepachtet haben und »nichts umkommen« lassen wollen, das verbohrte Volk – – –«

Aber Doktor Hempel ging nicht zu den Porzellinern und nahm auch keinen Aromatique. Es war immer seine Art gewesen, sich hinter diesem köstlichen Dietendorfer Schnabus tüchtig zu schütteln, aber diesmal schüttelte es ihn selber vorher und er mußte sich ins Bett legen.

Und weil er selbst sein Wort nicht hielt, glaubte auch Frau Franziska ihm nicht gehorchen zu müssen. –


Bertold Eik saß unter fröhlichen Kumpanen auf der Kneipe, als man ihm den Eilbrief von seinem Großvater brachte.

Schon den ganzen Abend hatte man Bertold seiner großen Schweigsamkeit halber geneckt und ihn auf »tiefsten Dalles« oder »höchste Verliebtheit« taxiert; er konnte einer unerklärlichen Bangigkeit nicht Herr werden.