Die gebeugte, müde Haltung des Großvaters, die ungewohnte Milde in seinem strengen Gesicht.
»Grüß Gott, Großvater!«
»Lieber Bertold – – –«
Ihre Hände lagen mit festem Druck ineinander, dann lief der Jüngere mit eiligen Schritten durch die Diele, die Treppen hinauf, daß er nichts versäume, nicht eine heilige Minute, die er bei der Mutter sein konnte. Er hörte hinter sich den Großvater rufen, – vielleicht sollte er auf ihn warten, bis der alte Herr mit seinen wuchtigen, langsamen Schritten ihn begleitete, aber das war ja sonst auch nie geschehen, immer hatte er seine Mutter allein begrüßt. Beinahe lächelte der Student ein wenig, daß er so knabenhaft ungestüm und trotzig dem Großvater entlief. Und nun kam noch die braune Tür mit den blitzenden Messingbeschlägen, die den Sohn noch trennte von der lieben Kranken. Wenn er als Knabe Sehnsucht nach der Mutter empfand, dann stand diese braune Tür vor seinem geistigen Auge, und es war ihm, als brauche er nur die Klinke niederzudrücken, um sofort wieder daheim zu sein.
Sacht, sacht! – die Mutter könnte schlafen, könnte erschrecken. Aber eine Mutter erschrickt nicht, wenn der Einzige heimkehrt – sie muß ihn ja lange schon erwartet haben, sie hat sich gebangt nach ihm, so schrieb der Großvater.
»Mütterchen!«
Nein, eine Mutter stört der heimkehrende Sohn nie – besonders nicht, wenn sie so fest schlummert wie Mütterchen Franziska – – aber trotz des tiefen Schlafes hat sie das liebe Lächeln auf ihrem Antlitz für ihn, für ihren Einzigen.
»Mutter! Mutter!«
Nie wieder vergißt der Eichenborn diesen Ton. Denn das Weh einer Welt liegt in ihm. Und er wird noch tagelang und nächtelang nichts anderes hören, als diesen Ruf.
Mutter! Mutter!