Die junge Seele drinnen ist aus den Fugen. Kleiner, großer, törichter Bertold! Glaubtest du, ein Mutterherz sei so heilig und hehr, daß niemand daran rühren könne; sei so lebendig, so liebeübervoll, daß es nie verstumme? Daß es klopfen müsse in alle Ewigkeiten?

Mutter! Mutter!

Störe den heiligen Schlaf nicht, Bertold! Jammere nicht so wild! Es ist umsonst, du weckst sie nicht. Du bist ein zwanzigjähriger Knabe und da sind zwei Gewaltige, die leben seit Urbeginn, und sie sind wider dich.

Der Tod und – der ihn rief.

Weine dich gesund.

Denn du brauchst Kraft, dir jetzt deinen Kinderglauben zu retten. – Du kanntest sie ja bis in ihre innersten Gedanken, deine Einzige.

Du weißt, daß sie ihren Mutterberuf als heilige Mission auffaßte, an deren Erfüllung sie sich selbst hingab.

Nach ihrem unerschütterlichen Glauben warst du ihr von Gott gegeben – würde Gott dich auch wieder von ihr fordern: »Wo ist dein Kind? Wie erzogst du es? Was können seine Mitwanderer und Weggenossen von ihm erwarten? Warst du würdig, eine Mutter zu sein?« –

Weine dich gesund, Bertold!

Denn du sollst jetzt einen einsamen Weg gehen, sollst aus dir selbst heraus etwas Tüchtiges werden, ohne Mutterwort und Mutterrat, sollst eine Persönlichkeit werden.