Verzeihst du es deinem Jungen, wenn er das lachende Leben mit seinen tiefsten Gedanken verschwiegen grüßt?

Bertold schritt rasch aus dem Park. Im klaren Mondlicht schaute er noch einmal alles hell und schön und vertraut, jeden Baum, jeden Strauch, jede alte, seltsame, verwitterte Steinfigur. Im Grasgarten rauschte der Born, da erzählten sich die Eichen flüsternde Märchen, Märchen von Mutterliebe und Heimat, Märchen von Thüringer Edeltannen, von denen die schlankste und schönste und lieblichste die Liselotte Windemuth war.

Bertold hielt die Hand unter die murmelnde Quelle, und auch sie erzählte und rannte. Von einem jungen Burschen, der seine Mutter verlor und der in die weite Welt ging. Aber er würde wiederkommen, bald – in einem Jahr oder in zweien, dann würde er in das hohe Giebelhaus treten dort in der nahen Straße und würde das schöne Haustöchterlein fragen und – – dann könnte es doch noch einmal sonnig werden im düstern Eichenborn.

Hinschritt er durch die stille Straße mit leuchtenden Augen, mit raschem Atem und jung – junger Liebe.

Da lag es, das Windemuthhaus.

Aber nicht so still wie der trübe, ernste, schweigsame Eichenborn, aus dem man die letzte Freude hinausgetragen und in die Erde versenkt hatte.

Die schöne, warme, helle Sommermondnacht hatte die Bewohner des Hauses im Garten festgehalten.

Bertold unterschied ganz deutlich die einzelnen Personen: Base Juliane, den alten Herrn Professor und eine junge Dienstmagd, welche noch einige Blumen mit der Gießkanne tränkte.

Wie sah das alles so traut und heimelig aus.

Er trat in den Schatten der Geisblattlaube, die dicht am Straßenzaun lag. Seine Augen spähten und suchten.