Der Maler lachte.

»Nennen Sie es so. Aber in Ihrem Munde hat das Wort Götzendienst einen spöttischen Klang. Er ist jedoch von allen Völkern und Stämmen immer sehr ernst betrieben worden, und so halten wir es auch mit Malcroix. Daß Sie zum heutigen Konzert noch nicht in Berlin waren, sondern genau eine Viertelstunde nach Schluß anlangten, machen Sie mit dem Unglücksstern aus, der schon über Ihrer Wiege geschwebt haben muß.«

»Na, da haben wir’s! Stopp, alter Freund! Ehe Sie mir ganz aus dem Häuschen geraten: Wer sind die zwei närrischen Zwickel dort in ihren vorsintflutlichen Fräcken? Sie sehen aus, als seien sie aus der Biedermeierzeit stehen geblieben, um für sie Reklame zu machen.«

»Ihr Scharfblick ehrt Sie,« lachte der Maler. »Diese beiden närrischen Zwickel, wie Sie sich auszudrücken belieben, sind eigentlich Eins, sind die Achse, um die wir uns hier drehen, sind der ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht, sind Jonathan für unsern David Malcroix, sind Marquis Posa für unsern Don Carlos Malcroix, sind Pylades für unsern Orest Malcroix, sind unsere einzige Hoffnung, daß der Held heute abend doch noch erscheint, sind Brennstoff und Tüllen

»Herr Ober, bringen Sie sofort ein Glas eiskaltes Wasser und eine Stirnkompresse für diesen Herrn, wenn irgend möglich noch Leibumschlag und Wadenwickel,« rief der Doktor.

»Lieber Doktor, Sie scheinen uns hier alle etwas für geistesgestört zu halten,« wehrte lachend der Maler.

»Ich sprach bis jetzt nur mit Ihnen,« neckte der andere, »und halte da allerdings eine Ableitung vom Gehirn für geboten. Haben Sie Erbarmen und erzählen Sie mir meinetwegen auf deutsch, französisch, spanisch, italienisch, russisch, Volapükisch und Esperanto’sch von diesem Malcroix, – aber nüchtern – nüchtern!«

»Ich bin so nüchtern wie ein Kalb vor seiner Geburt,« versicherte der Maler. »Wie Sie sehen, ehren wir Bertold Malcroix noch auf andere Art, indem wir in den kargen Stunden des Zusammenseins mit ihm den Alkohol meiden.«

»Sind Sie verrückt?« entfuhr es dem andern.

»Ich glaube nicht.« Der Maler wurde ernst. »Malcroix hat vor Jahren im betrunkenen Zustand irgend eine schwere Tat begangen – als halber Knabe allerdings, man weiß gar nichts Genaues, erzählt sich aber die tollsten Geschichten von ihm, und besonders in seiner Vaterstadt Schwarzhausen, berühmt durch Porzellan, viertausend und eine Seele stark, gilt Malcroix als gänzlich schwarzes, verlorenes Schaf. – Jedenfalls ist er völliger Abstinent, weil er einen angeborenen, furchtbaren, schier grotesken Jähzorn meistern will, und – alle Achtung vor ihm – wir helfen ihm stillschweigend dabei, wenigstens solange wir ihn erwarten und mit ihm zusammen sind.«